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Augsburg
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Erster Anlauf - Grundloses massives Vorgehen

#2

Beitrag von Red Light News »

SZ 13.01.2006
Rechtsfreies Bordell

Warum Augsburgs Polizei einen Club dulden muss

So sieht also die neue Offenheit im Rotlicht aus: Im Online-Gästebuch des Augsburger Bordells "Colosseum" lobt Georg: "Ihr habt klasse aussehende Frauen". Auch "Peppone" sieht das so: "Als Kenner der Branche muss ich ein großes Lob aussprechen", schreibt er und freut sich zudem über Sauna und Pool. Doch auch mit Kritik sparen beide nicht und wünschen sich "mehr Ost-Europäerinnen". Georg schreibt: "Eure Mädels, die ja häufig aus dem Rheinland kommen, sind doch meistens sehr technisch und man merkt, dass sie froh sind, wenn es vorbei ist.

" Helmut Sporer, Leiter des Kommissariats Milieu- Kriminalität, wünscht sich, dass der Betrieb in diesem Etablissement generell bald vorbei ist. Die Kripo Augsburg ermittelt gegen Betreiber des Bordells, das vor knapp zwei Jahren am Rande der Augsburger Innenstadt eröffnet hat. Sie sollen Kontakte zu einer berüchtigten türkischen Bande aus dem Raum Köln haben, die mit einer neuen Art von Bordellen das Bundesgebiet überspannt. Auch Zuhälterei wittert Sporer. Im März und April haben Beamte der Kripo das Bordell und Wohnungen gestürmt, und unter anderem Rauschgift und Waffen gefunden - doch bis heute ist das Colosseum geöffnet. Seitdem die alte Bundesregierung 2002 mit dem Prostitutionsgesetz faktisch die Sittenwidrigkeit der bezahlten Liebe abgeschafft hat, tun sich die Ermittler und die Stadt Augsburg besonders schwer, gegen das Milieu vorzugehen. Schlimmer noch: Sie müssen zusehen, wie sich die Szene verändert - nicht zum Besseren.

Sporer nennt das Colosseum, in dem mehr als 50 Frauen arbeiten sollen, ein Bordell neuen Typs. Anders als die heruntergekommen Etablissements, die im Stillen arbeiteten und von den Behörden geduldet wurden, brauchen sich die Betreiber vor der Polizei heute kaum noch zu fürchten. Offensiv wirbt das Colosseum unter anderem mit Pool und Sauna für sich. Wer vor der Gesetzesänderung 2002 solche Extras bot, stand mit einem Bein im Knast. Als "Förderung der Prostitution" durften Ermittler solche allzu angenehmen Arbeitsbedingungen auslegen und nach Belieben tätig werden. Doch seitdem etwa Luxus im Bordell nicht mehr strafbar ist, müssen die Augsburger Ermittler zusehen, wie etwa das Colosseum immer mittwochs zur "Dessous"-Partys einlädt.

Dem Vernehmen nach suchen bereits Kegelclubs kollektiv das Bordell auf. Ahnungslos begeben sie sich in ein offenbar hochkriminelles Milieu. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt gegen fünf Personen wegen des Verdachts der Zuhälterei und Kontakten zur organisierten Kriminalität. Als Kopf der Bande vermutet die Kripo Olaf R., einen 34-jährigen Kölner, der als Gesellschafter in dem Bordellbetrieb auftritt. Nach Informationen des Fernsehmagazins Report München stehe Olaf R. in engem Kontakt zu Necati A., der als Kölner "Rotlichtpate" bekannt ist. Der Chef einer kriminellen Bande von Erpressern, Zuhältern und Menschenhändlern büßt eine neunjährige Haftstrafe ab.

Aus dem Gefängnis heraus soll er Mordaufträge gegeben haben und der eigentlichen Drahtzieher beim Aufbau eines Bordell-Imperiums sein, das auch nach Bayern greift. Die Frauen sollen von Bordell zu Bordell geschickt werden.

Den Reinerlöss des Augsburger Großbordells schätzt Kripo Chef Klaus Bayerl auf 100 000 Euro im Monat. Wo das Geld bleibt, ist nur eine Frage von vielen, die die Beamten beantworten wollen. Während sie ermitteln, wurde kürzlich in Ulm ein weiteres Bordell, das wie andere als FKK-Club getarnt ist, eröffnet.

Mit Sorge beobachtet Helmut Sporer von der Kripo Augsburg diese Entwicklung. "Es wird sicher nicht das einzige Bordell dieser Art bleiben", sagt er. "Früher hätten wir viel leichter diese Etablissements schließen können", sagt er. "Das Prostitutionsgesetz wird gnadenlos ausgenutzt." Eigentlich sollte die Liberalisierung den etwa 400 000 Prostituierten in Deutschland helfen, indem ihre Arbeit als gesellschaftliche Realität anerkannt wird. Nun verschanzen sich nach Meinung Sporers die Bordellbetreiber dahinter. Machtlos fühlt sich Bernhard Hoffmann, stellvertretender Ordnungsamtsleiter. Bei ihm schließt sich der Kreis der Hilflosigkeit. Seine Behörde könnte das Bordell schließen, doch: "Der Weg dahin ist steinig und schuld ist das Prostitutionsgesetz".
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SZ 25.04.2006
Strenge Regeln für Prostituierte

Anklage gegen fünf Männer aus Augsburger Großbordell
Die Polizei nennt das Augsburger Bordell "Colosseum" einen "Puff neuen Typs": Sauna- und Poollandschaft versprechen in der Szene ungewohnten Luxus zum pauschalen Eintrittspreis von 60 Euro - alkoholfreie Getränke inklusive. Dem Vernehmen nach haben schon Kegelclubs kollektiv das Großbordell besucht. Doch auch im "Bordell neuen Typs" herrschen offenbar die alten Gesetze des Milieus. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Augsburg Anklage gegen fünf Männer aus dem Bordell erhoben. Sie wirft ihnen Zuhälterei und Beihilfe in insgesamt elf Fällen vor.

In dem als Sauna-Club mit gewerblicher Zimmervermietung angemeldeten Etablissement hatten die Beschuldigten im Alter von 35 bis 45 Jahren der Staatsanwaltschaft zufolge strenge Regeln für die Prostituierten aufgestellt: Es galt unter anderem ein striktes "Nacktgebot" - Frauen, die sich den Kunden bekleidet zeigten, mussten offenbar nicht nur zehn Euro Strafe zahlen. Freier, die sich darüber beschwerten, mussten für den Liebesdienst dann nichts bezahlen. Zudem sei es den mehr als 50 Huren, die dort arbeiteten, untersagt worden, auch nur in Gruppen zusammenzusitzen oder Handys bei sich zu tragen. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, Zimmer und Taschen durchsucht, bei Verstößen die Frauen zurechtgewiesen und diese per Videoüberwachung kontrolliert zu haben. Drei der fünf Angeklagten Männer gelten als Drahtzieher.

Unter ihnen befindet sich ein 35-jähriger Kölner, dem Kontakte zu einer kriminellen Bande aus Köln nachgesagt werden, die offenbar versuche, ein Bordell-Imperium aufzubauen. Für eine Anklage wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung reichten allerdings die Erkenntnisse der Ermittler nicht aus, so die Staatsanwaltschaft. Das Augsburger Ordnungsamt will erst das Urteil im Strafverfahren gegen die Angeklagten abwarten, ehe eine Schließung des Etablissements geprüft werde.
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SZ 09.06.2006
Weiter Kontroversen um Augsburger Bordell

An der umstrittenen Gerichtsentscheidung zum Großbordell "Colosseum" in Augsburg entzünden sich weiter Debatten. Das Landgericht Augsburg hatte den Betreibern weitreichende Befugnisse zugestanden - so Taschenkontrollen und ein Nacktgebot, demzufolge die Frauen sich offenbar den Kunden nicht bekleidet zeigen durften -, und die Anklage nicht zur Hauptverhandlung zugelassen. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen den Betreibern "dirigistische Zuhälterei" vorgeworfen. Bayerns Sozialministerin Christa Stewens nannte die Gerichtsentscheidung "realitätsfremd und unerträglich". Nun wehrt sich das Gericht: "Die Richter haben es sich nicht leicht gemacht", sagte Sprecher Karl-Heinz Haeusler, "aber die Entscheidung der Kammer ist vertretbar.

" Seit 2001 die rot-grüne Bundesregierung das Prostitutionsgesetz eingeführt hat, sei Prostitution eben ein "normales Gewerbe". "Die Betreiber haben seitdem Regulationsmöglichkeiten und Kontrollbefugnisse", erklärte Haeusler. Juristisch sei ihnen nichts vorzuwerfen, auch wenn die Politik mit dem Gesetz ein anderes Ziel verfolgt habe und in erster Linie die Rechte der Frauen stärken wollte. Haeusler übte deshalb Kritik am Gesetz, das in der Praxis nur schwer umzusetzen sei: "Das Gesetz lässt einen gewissen Spielraum. Mit guten Argumenten hätte man auch anders entscheiden können".

Mittlerweile hat sich auch Claudia Roth, Grünen-Chefin und Abgeordnete aus Augsburg, in die Diskussion eingeschaltet. Die Richter hätten die Intention des Gesetzes in "erschreckender Weise" ins Gegenteil verkehrt. "Aberwitzig" nennt sie die Kritik aus der CSU, Zuhälter könnten durch das Gesetz nicht mehr bestraft werden. Wenn, wie im Augsburger Fall, die Kripo Kontakte zur organisierten Kriminalität unterstelle, müsse sie dafür entsprechende Beweise vorlegen können. Dies sei offenbar nicht gelungen, sagte Grünen-Chefin Roth.

Der Betzdorfer Rechtsanwalt Benedikt Pauka, der einen der Betreiber verteidigt hat, kritisiert: "Das Verfahren wurde politisch instrumentalisiert. Die Strafverfolgungsbehörden haben mit viel Aufwand ein gewaltiges Bedrohungs-Szenario geschaffen, von dem bei rationaler Betrachtung strafrechtlich nichts übrig geblieben ist." Von unhaltbaren Zuständen könne nicht die Rede sein, der Betrieb des Bordells sei nicht strafbar. "Hier wurde nur geltendes Recht angewandt", so Anwalt Pauka. "Keine einzige Prostituierte hat Repressalien erfahren." Dies sei nach wie vor strafbar und habe gerade nicht festgestellt werden können.
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SZ 01.09.2006
Richter kapitulieren vor Bordellbetreibern

Ministerin Merk: "Zuhälter können nicht mehr bestraft werden" / Prostitutionsgesetz verhindertAnklage
Die Augsburger Justiz muss fünf mutmaßlich kriminelle Bordellbetreiber laufen lassen, obwohl diese nach Ermittlungen der Polizei für unhaltbare Zustände in einem Großbordell verantwortlich sein sollen und offenbar Beziehungen zur organisierten Kriminalität unterhielten. Die achte Strafkammer des Landgerichts hat jetzt die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen die Beschuldigten abgelehnt und sich auf das 2001 von der rot grünen Bundesregierung neu gefasste Prostitutionsgesetz berufen, das die Rolle der Huren stärken sollte. Im Augsburger Fall bewirkte es nach Ansicht von Bayerns Justizministerin Beate Merk genau das Gegenteil: "Zuhälter werden geschützt und entkriminalisiert", kritisiert sie.

Vor etwa zwei Jahren hat im Norden der Stadt mit dem "Colosseum" ein Großbordell "neuen Typs" eröffnet, wie die Polizei das Etablissement nennt. Getarnt als FKK-Club wirbt das Bordell offensiv mit Sauna-Landschaft, Pool und "über 50 Girls" - selbst Kegelclubs sollen schon ihren Vereinsausflug dorthin verlegt haben. Mit den herkömmlichen Bordellen hat der Club rein äußerlich nur noch wenig gemeinsam. Doch hinter der luxuriösen Fassade, davon ist die Polizei überzeugt, herrscht immer noch das alte Milieu.

Nach mehreren Razzien hatte die Staatsanwaltschaft im April Anklage gegen fünf Männer im Alter von 35 bis 45 Jahren wegen des Verdachts der dirigistischen Zuhälterei erhoben. Sie sollen strenge Regeln vorgegeben, den Frauen unter anderem ein striktes "Nacktgebot" auferlegt haben. Wer sich den Kunden bekleidet zeigte, musste offenbar zehn Euro Strafe zahlen. Zudem sei den Frauen untersagt worden, in Gruppen zusammenzusitzen oder zu telefonieren. Bei Verstößen seien die Frauen zurechtgewiesen worden. Ebenfalls hätten die Betreiber Taschen durchsucht und besonders niedrige Preise festgesetzt. Für Augsburgs Kripo-Chef Klaus Bayerl steht fest: "Vor fünf Jahren hätte dies zur Verurteilung wegen Zuhälterei gereicht. Heute führt es nicht einmal mehr zu einer Anklage."

Normale Dienstleistung

Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund die Begründung des Landgerichts, die der SZ vorliegt: Darin beziehen sich die Richter auf das neue Prostitutionsgesetz, mit dem die rot grüne Bundesregierung faktisch die Sittenwidrigkeit abgeschafft und Prostitution als normale Dienstleistung anerkannt hat. Die Augsburger Richter leiteten daraus ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis ab, weshalb die Bordellbetreiber demnach bestimmte Weisungsbefugnisse gegenüber den Prostituierten hätten. Für "nicht zu beanstanden" halten die Richter unter anderem die Anwesenheitspflicht oder das Telefonverbot. "Diese Maßnahmen dienen nicht nur den wirtschaftlichen Interessen der Betreiber, sondern auch den Umsatzinteressen der Prostituierten", heißt es in dem Beschluss.

Auch an dem Nacktgebot oder den verhängten Geldsanktionen stören sie sich nicht: Zu den Strafen meinen die Richter beispielsweise: "Die Maßnahmen sind nicht geeignet, die Prostituierten wirtschaftlich auszubeuten oder in ihrer sexuellen Selbstbestimmung einzuschränken." Weiter heißt es in dem Beschluss: "Vielmehr hätten sich die Prostituierten der Zahlung von Strafgeldern durch Abbruch ihrer Tätigkeit im Colosseum entziehen können." Karl Heinz Haeusler, Sprecher des Augsburger Landgerichts, verteidigt den Beschluss: "Durch die Legalisierung ist heute nicht mehr alles strafbar, was früher einmal strafbar war." Die Richter hätten heute in Einzelfällen zu entscheiden, was zulässig sei und was nicht. In Sachen "Colosseum", räumt Haeusler ein, hätten die Richter das Prostitutionsgesetz "sehr großzügig ausgelegt".

Leitfaden für Verhöre

Vor allem die Argumentation, "geht doch, wenn Euch die Bedingungen nicht passen", stößt bei Ermittlern im Rotlicht-Milieu auf großes Unverständnis: "Wer sich in so einem Betrieb wehrt, hat mit Repressalien zu rechnen", sagt ein ranghoher Beamter, der kritisiert, dass das Gericht davor die Augen verschlossen habe. Dies begründe auch, warum die Frauen bei den Vernehmungen meist erklärt hatten, sie seien mit den aufgestellten Regeln einverstanden gewesen. Kripo-Chef Bayerl sagt: "Bei den Durchsuchungen haben wir eine Art Leitfaden gefunden, wie man sich in Polizeivernehmungen verhalten soll." Im Fall "Colosseum" seien sogar Beziehungen zur organisierten Kriminalität im Raum Köln "belegt". Von dort aus versuche eine Bande die Bordell-Szene zu erobern. Angesichts der Entscheidung der Richter sieht er die Position der Ermittler geschwächt: "Wir werden den Prostituierten nicht mehr in dem Umfang helfen können wie früher", sagt Bayerl. "Wir erleben eine sukzessive Verfestigung hochkrimineller Strukturen."

Bayerns Justizministerin Beate Merk, die per Bundesratsinitiative versucht, das Prostitutionsgesetz zu kippen, sagt: "Den Prostituierten hat es keinen Vorteil gebracht." Der Augsburger Fall zeige deutlich, dass "ein Zuhälter, der Arbeitszeit, Einsatzorte und Preise von Prostituierten festsetzt", nicht mehr bestraft werden könne. Prostituierten Beratungsstellen wie "Mimikry" in München halten zwar am neuen Gesetz fest, fordern aber eine Nachbesserung.
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SZ 02.09.2006
"Prostitution ein anständiger Beruf"

Augsburger Bordellbeschluss löst kontroverse Debatten aus
Augsburg - Nachdem das Augsburger Landgericht entschieden hat, den Fall mutmaßlich krimineller Bordellbetreiber nicht zur Hauptverhandlung zuzulassen, wächst der Unmut in der Stadt. Klaus Kirchner, Bürgermeister und Augsburger Ordnungsreferent, sagte: "Ich kann nicht verstehen, warum das Gericht keine Konsequenzen zieht." Im konkreten Fall geht es um das Großbordell "Colosseum", in dem die Betreiber unter anderem den Frauen offenbar untersagten, sich bekleidet den Kunden zu zeigen, Strafgelder kassierten, ein Telefonverbot erteilten und die Anbahnungsräume per Video überwachten. Die Staatsanwaltschaft sah den Tatbestand der Zuhälterei erfüllt - das Gericht bezog sich aber auf das erst 2001 erlassene Prostitutionsgesetz, das den Huren, aber auch den Bordellbetreibern mehr Rechte zubilligt und ließ die Anklage fallen.

Aus Sicht der Stadt bedeutet die Entscheidung einen herben Rückschlag: "Wir haben ohne Verurteilung keine Handhabe, das Bordell zu schließen", so Kirchner. Er stützt sich auf Angaben der Polizei, wonach die Betreiber Kontakte ins Umfeld der organisierten Kriminalität unterhielten, weshalb die Stadt eine Schließung ins Augen gefasst hatte. Unterdessen teilte die Staatsanwaltschaft Augsburg mit, nicht gegen die Entscheidung des Landgerichts vorzugehen. "Wir sehen kaum Chancen auf Erfolg", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz. Weil das Gesetz Prostitution als gesellschaftliche Realität rechtlich anerkennt, stehen Bordellbetreibern in begrenztem Umfang auch Weisungsbefugnisse eines Arbeitgebers zu. Im vorliegenden Fall befand das Gericht die strengen Regeln teilweise als "nicht zu beanstanden" und argumentierte, die Frauen hätten das Bordell verlassen können. "Wir sehen das anders", sagte Nemetz, "begeistert sind wir nicht."

Aus Sicht von Margarete Gräfin von Galen, Berliner Fachanwältin, die als Sachverständige am Prostitutionsgesetz beteiligt war, sei der Ansatz des Gerichts "grundsätzlich richtig". "Es fällt vielen schwer, zu akzeptieren, dass die Regeln im normalen Arbeitsleben nun auch in einem Bordell gelten sollen", argumentiert sie. Anders als Justizministerin Beate Merk, die das Gesetz für einen "Fehlschlag" hält und es kippen will, hält sie die Regelung für richtig: "Im Bewusstsein der Menschen ist angekommen, dass es sich bei Prostitution um einen anständigen Beruf handelt."
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SZ 05.09.2006
Stewens kritisiert Richter

Ministerin: "Augsburger Bordellbeschluss unerträglich"
Im Fall der umstrittenen Gerichtsentscheidung zum Augsburger Großbordell "Colosseum" hat sich nun auch Bayerns Sozialministerin Christa Stewens, zugleich Frauenbeauftragte der Staatsregierung, zu Wort gemeldet: Als "realitätsfremd und unerträglich" kritisierte sie den Beschluss des Landgerichts, ein Hauptverfahren gegen die Betreiber des Bordells abzulehnen. Das Gericht hatte sich auf das neue Prostitutionsgesetz berufen, das die Rechte der Frauen stärken soll, das aber auch den Betreibern weit gehende Kontrollbefugnisse eingeräumt.

"Der Beschluss verkennt die tatsächlichen Gepflogenheiten und Abhängigkeiten im Prostitutionsmilieu", sagte Stewens und übte Kritik an der Begründung durch die Richter. Darin hieß es unter anderem, die Huren könnten sich der Zahlung von Strafgeldern, die beispielsweise verhängt wurden, wenn sie sich bekleidet den Kunden zeigten, durch "Abbruch ihrer Tätigkeit" entziehen. "Durch solch einen Beschluss werden die Rechte der betroffenen Frauen beschnitten", erklärte die Ministerin.

Von einem normalen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis, wie es das Gericht unterstellte, könne nicht die Rede sein. Zwar sei der Gedanke des Gesetzes, die Prostitution aus einer rechtlichen Grauzone herauszuholen, aus "frauenpolitischer Sicht unterstützenswert", doch hätten die Frauen bislang nicht profitiert. Seit Inkrafttreten habe keine Prositutierte im Freistaat einen regulären Arbeitsvertrag abgeschlossen - auch dies ermöglicht das Gesetz.
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Schwere Vorwürfe

#3

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SZ 13.12.2007
Bande zwingt Minderjährige zur Prostitution

Fünf Zuhälter sind in Augsburg wegen schweren Menschenhandels angeklagt - der erste von ihnen ist verurteilt
Manche der Mädchen kamen direkt von der Straße oder aus dem Heim. Eine fünfköpfige Bande stöberte die jungen Frauen in Ungarn auf und brachte sie nach Deutschland, um sie hier als Sexsklavinnen auszubeuten. Die Opfer im Alter zwischen 17 und 26 Jahren mussten in verschiedenen Bordellen sieben Tage pro Woche 13 Stunden am Stück arbeiten. Sie durften keine Pause machen und nicht telefonieren. Sie mussten stets nackt sein und das verdiente Geld sofort und komplett abliefern. Das einzige, was ihnen die Zuhälter ließen, waren 75 Euro für Geld für Verpflegung und Zigaretten. Wenn der Umsatz nicht stimmte, wurden die Frauen mit Fäusten und Gürteln geschlagen. Im April wurden einige Opfer bei einer bundesweiten Razzia befreit, am Mittwoch erschien das erste Bandenmitglied wegen schweren Menschenhandels, Zuhälterei und Vergewaltigung vor dem Landgericht Augsburg.

Die Staatsanwaltschaft warf dem 21 Jahre alten Angeklagten vor, in Ungarn eine Beziehung mit einer 18-Jährigen begonnen zu haben - nur um sie "unter Ausnutzung ihrer schwachen sozialen Lage" zur Prostitution zu zwingen und "auszubeuten". Der Angeklagte habe selbst nicht gearbeitet und der Geschädigten versprochen, ihre Einkünfte für die gemeinsame Zukunft zu verwahren. Doch dies war gelogen, stattdessen kaufte er sich Drogen, Schmuck und ein schweres Auto. Seiner vermeintlichen Freundin verbat er, das Bordell zu verlassen, sodass sie keinerlei Kontakte zur Außenwelt aufbauen konnte. Nach Aussage des Staatsanwalts nutzte er dabei aus, dass die Frau kaum deutsch sprach. In Absprache mit den anderen Bandenmitgliedern brachte er das Opfer zeitweise nach Österreich oder Belgien, wo sie ebenfalls unter unmenschlichen Bedingungen Freier empfangen musste. Pro Kunde durfte sie 50 Euro verlangen, dabei forderte er von ihr einen Tagesumsatz von mindestens 600 Euro. Wenn sie dieses Pensum nicht erfüllte, schlug er sie mitunter brutal zusammen.

Der Angeklagte gestand vor Gericht alle Vorwürfe ein - mit Ausnahme der Vergewaltigung. Weil der Nachweis schwierig gewesen wäre, beschränkte sich die Staatsanwaltschaft auf den Vorwurf der schweren Körperverletzung. Die Jugendkammer verurteilte den 21-Jährigen zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten, zudem muss er 2000 Euro Schmerzensgeld an die Geschädigte zahlen. Diese lebt wieder in Ungarn, wo sie und ihre Familie nach Angaben der Vorsitzenden Richterin bereits wieder bedroht wurden.

Den anderen Mitgliedern der Bande wird voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres der Prozess gemacht. Die drei Männer (zwei Ungarn und ein Deutscher) sowie eine Frau wurden bei einer bundesweiten Durchsuchungsaktion im April festgenommen und sind seitdem in Untersuchungshaft. Ihnen wird ebenfalls schwerer Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung sowie Zuhälterei vorgeworfen. Zwei Personen sollen als Anwerber und Schlepper aktiv gewesen sein, ein Mann vermittelte die Frauen an diverse Bordelle und kassierte dafür Provision. Dem 40-jährigen Deutschen wirft die Staatsanwaltschaft vor, die Huren im Augsburger Großbordell "Colosseum" überwacht zu haben.

Sex ohne Kondom

Bereits 2006 hatte die Augsburger Justiz das "Colosseum" ins Visier genommen: Sie hatte gegen drei Gesellschafter Anklage wegen "dirigistischer Zuhälterei" erhoben, allerdings lehnte die 8. Strafkammer des Landgerichts eine Eröffnung eines Prozesses unter Berufung auf das neue Prostitutionsgesetz ab. Doch die Ermittler ließen nicht locker und durchsuchten im April das Haus nochmals - gleichzeitig mit neun weiteren Etablissements in Augsburg, Ulm, Bremen und Wittmund in Niedersachsen. In Wittmund wurde ein 17-jähriges Mädchen angetroffen, in Augsburg stellte die Polizei fest, dass "entgegen bestehenden Vorschriften und trotz bereits erfolgter Ansteckungen ohne Kondom gearbeitet wurde". Ingesamt wurden neun Personen festgenommen, darunter ein 34-Jähriger, gegen den in Ungarn ein Haftbefehl vorlag. Ihm wird vorgeworfen, jährlich etwa 150 junge Frauen aus Osteuropa zur Ausbeutung nach Deutschland geschleust zu haben.
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AA 09.01.2008
Der Pate bleibt im Hintergrund

Die Beamten sind schon beinahe Stammgäste, aber keine gern gesehenen. Erneut hat die Augsburger Kripo das Großbordell "Colosseum" ins Visier genommen. 70 Beamte durchsuchten den so genannten Saunaclub am Dienstag. Außerdem tauchten die Fahnder in einem Nachbargebäude auf und nahmen ein Haus im Landkreis Augsburg unter die Lupe. Das Ergebnis zunächst: vier Festnahmen und einiges an mutmaßlichem Beweismaterial, das die Kripo jetzt sichtet.

Zwei Haftbefehle wegen Menschenhandels

Vor allem abgesehen hatte es die Polizei auf die 48-jährige Geschäftsführerin und einen 37-Jährigen, gegen die Haftbefehl bestand. Der Mann mit Hauptwohnsitz auf dem sonnigen Mallorca gilt den Ermittlern als der örtliche Chef in dem Bordell in der Nähe des Oberhauser Gaskessels. Beiden wird organisierter Menschenhandel vorgeworfen, sie sollen junge Frauen aus Osteuropa zur Prostitution gezwungen und missbraucht haben.

Der mutmaßliche große Pate im Hintergrund aber muss den Zugriff der deutschen Polizei nicht fürchten. Necati Arabaci, unter anderem wegen Menschenhandels zu neun Jahren Haft verurteilt, wurde nach Verbüßung eines Teils der Strafe in seine türkische Heimat abgeschoben. Von dort aus hält der "Pate" des Kölner Rotlichtmilieus auch im Augsburger Großbordell weiter die Fäden in der Hand. Davon ist Kripo-Chef Klaus Bayerl überzeugt: "Die Gruppe um Arabaci bestimmt letztlich, was Sache ist."

Beizukommen ist der Bande aber schwer, das weiß Bayerl aus eigener Erfahrung. Im Sommer 2006 scheiterte ein Verfahren wegen Zuhälterei gegen die Betreiber des Colosseums. Jahrelange Ermittlungen waren für die Katz.

Doch die Kripo gab nicht auf und nahm den Laden im vergangenen April erneut auseinander. Diesmal ging es um organisierten Menschenhandel - und diesmal gibt es bereits ein erstes Urteil: Vor knapp einem Monat wurde ein Zuhälter, der eine 18-Jährige unter anderem in dem Augsburger Club anschaffen ließ, zu über drei Jahren Haft verurteilt. Weiteren mutmaßlichen Mitgliedern der Zuhälterbande wird in den nächsten Monaten der Prozess gemacht, laut Bayerl ist ein ehemaliger Geschäftsführer des Colosseums darunter. Auch die Verhaftungen vom Dienstag seien eine Folge der damaligen Ermittlungen.

Das Urteil vom Dezember war vor allem den Aussagen einer Zeugin zu verdanken. Eine 18-Jährige hatte geschildert, wie sie aus Ungarn nach Deutschland gelockt und dort als Prostituierte versklavt wurde. 13 Stunden am Tag musste sie fremden Männern gefügig sein und das Geld abliefern, wurde eingesperrt und geschlagen.

Ohne Aussagen wie diese ist kriminellen Bordellbetreibern nur schwer das Handwerk zu legen, betont Augsburgs Kripo-Chef Bayerl. "Wir brauchen jemanden, der wirklich auspackt. Doch es ist schwierig, eine Prostituierte zu finden, die redet." Die Frauen hätten Angst vor der Rache der Bordellmafia, und auch Zeugenschutzprogramme helfen laut Bayerl nur begrenzt. Bei Weitem nicht jeder Mensch sei bereit, alle Brücken hinter sich abzubrechen und sein bisheriges Leben völlig aufzugeben.

Allein die "Miete" bringt 800 000 Euro im Jahr

"Ganz schwer" dürfte es nach Bayerls Auffassung werden, das Oberhauser Colosseum einfach dicht zu machen, was im Übrigen Sache der Stadt wäre. Wenn die Kommune mit einem Verbot vor einem Verwaltungsgericht scheitern würde, müsste sie mit einer Schadensersatzforderung rechnen. Und das wäre vermutlich nicht ganz billig. Allein die "Miete", welche die 40 Dirnen in dem Bordell an dessen Betreiber entrichten müssen, beläuft sich auf 800 000 Euro im Jahr.
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AA 03.03.2008
Bordell-Chefin will Schutz vor einem Freier

Wegen des Verdachts auf Menschenhandel ermittelt die Polizei seit Monaten im Umfeld des Sauna-Clubs "Colosseum" in Augsburg, unter anderem gegen die Geschäftsführerin. Doch sie beschäftigt auch als Klägerin die Justiz.

Wegen des Verdachts auf Menschenhandel ermittelt die Polizei seit Monaten im Umfeld des Sauna-Clubs "Colosseum" in Augsburg, unter anderemgegen die Geschäftsführerin. Doch sie beschäftigt auch als Klägerin dieJustiz.

Vor kurzem gab es in dem Sauna-Club eine Durchsuchung wegen Schwarzarbeit. Die Anwälte des Etablissements weisen die Vorwürfe zurück und haben sich beim Justizministerium beschwert.

Ermittelt wird auch gegen die Geschäftsführerin des Großbordells. Die 48-Jährige sucht in anderer Hinsicht momentan aber auch von sich aus den Kontakt zur Justiz. Sie fühlt sich von einem früheren Kunden ihres Hauses verfolgt und möchte nach dem Gewaltschutzgesetz ein Kontaktverbot mit 50-Meter-Bannmeile und Ordnungsgeld bei Verstoß erwirken. Grund: Der Freier soll eine der Prostituierten verfolgt und die Geschäftsführerin mit dem Tod bedroht haben. Ihr Anwalt Nicol Andreas Lödler spricht von "typischem Stalking".

Der Freier war längere Zeit Kunde in dem Etablissement nahe des Gaskessels. Eine der Damen hatte es ihm offenbar angetan. Angeblich soll der Mann die Frau zu einer Pension im Umland, wo zeitweise mehrere der Prostituierten wohnten, mit dem Auto verfolgt haben. Als der Türsteher des Bordells den Mann unter Verweis auf ein Hausverbot abwies, soll er die Geschäftsführerin mit dem Tod bedroht haben.

Vor dem Landgericht (Vorsitz Maximilian Hofmeister) bestritt der Mann, jemals Todesdrohungen ausgesprochen zu haben. Vielmehr sei der betreffenden Prostituierten von der Geschäftsführung nahegelegt worden, den Kontakt mit ihm abzubrechen. In dem Prozess vermutet er eine "Retourkutsche", weil er eine Beziehung zu einer der Prostituierten aufgebaut habe.

Das Amtsgericht hatte das Anliegen der Geschäftsführerin in erster Instanz abgewiesen. Sie klagte daraufhin vor dem Landgericht. Die Kammer will ihre Entscheidung diese Woche bekanntgeben. (skro)
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AA 21.03.2008
"Die Mädchen hat man wie ein Stück Dreck behandelt"

Die Bordelle "Colosseum" (Augsburg) und "Morgenland" (Ulm) firmierten als private FFK-Clubs. Doch hinter den Mauern spielten sich schlimme Szenen ab. Die Prostituierten wurden sexuell ausgebeutet.

Am 3. April beginnt vor dem Augsburger Landgericht ein mehrwöchiger Prozess gegen die Betreiber der Großbordelle "Colosseum" (Augsburg) und "Morgenland" (Ulm), die seit April 2007 in U-Haft sitzen.

Die vier Angeklagten, drei Männer und eine Frau, sind des schweren Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung sowie der Zuhälterei angeklagt. Drei von ihnen sind Ungarn. Beide Bordelle werden von einem deutschen Geschäftsführer geleitet. Der 41-Jährige wohnte bis zu seiner Festnahme im Augsburger Hotelturm. Zwei Prozesse gegen Randfiguren aus dem Milieu, zuletzt Donnerstag dieser Woche, lieferten bereits erste Einblicke, mit welchen Methoden die aus Osteuropa stammenden jungen Frauen gefügig gemacht wurden.

So eine 20-Jährige, für die Opferanwältin Marion Zech vor Gericht als Nebenklägerin auftrat. Die junge Frau hält sich heute aus Angst vor Repressalien in Ungarn versteckt. Ihr blieb ein Auftritt als Zeugin vor Gericht erspart, da der Angeklagte, ein Ungar aus Pecs, vorab ein Geständnis angekündigt hatte. Der 36-Jährige, ein in seiner Heimat arbeitslos gewordener Koch, war für die Bordellbetreiber vier Mal als Fahrer und Geldbote unterwegs gewesen.

Die 8. Strafkammer verurteilte ihn am Donnerstag zu zwei Jahren Gefängnis, von denen er durch die Untersuchungshaft elf Monate bereits verbüßt hat. Das Urteil soll "auch ein Zeichen setzen", so Vorsitzender Richter Wolfgang Rothermel, "dass man in Deutschland mit Frauen nicht so umgehen kann." Das Gericht lehnte ab, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, obwohl der Angeklagte (Verteidigerin Carolin von Hohenhau) nicht vorbestraft ist.

Sie werden an andere Clubs als "Frischfleisch" verliehen

Bis zu ihrer Festnahme im April 2007 hatte die Polizei Telefongespräche der Angeklagten überwacht. "Die Mädchen hat man wie ein Stück Dreck behandelt", sagte ein als Zeuge geladener Ermittler erkennbar erschüttert aus. In allen Fällen kommen diese Frauen aus einfachsten Verhältnissen. Sie sprechen so gut wie kein Deutsch, kennen ihre Rechte nicht und sind ortsfremd. Obendrein werden sie von ihren "Besitzern" monatsweise als "Frischfleisch" an andere Bordells in Italien, Österreich und Belgien ausgeliehen.

So war es bei der 20-Jährigen, die in Ungarn in einem Kinderheim aufwuchs. Mit 18 lernt sie einen Landsmann kennen und lieben, der sie auf den Strich schickt. Und als sie erste Erfahrungen in dem Gewerbe gemacht hat, wird sie an das Ulmer Bordell "Morgenland" vermittelt. Dort muss die junge Frau 13 Stunden am Tag anschaffen, sieben Tage die Woche. Alle Prostituierte sind angewiesen, ständig nackt zu sein. Nachts muss sie im Bordell schlafen. In einem Zimmer mit einer älteren Dirne, die sie überwacht, der sie bis auf das Zigarettengeld alle Einnahmen abzuliefern hat. Alle zwei Tage kommt ihr neuer Zuhälter vorbei und holt das Geld ab - bis die Polizei dem ein Ende bereitet.

Bis 2002 galt: Wer Prostitution förderte, stand bereits mit einem Bein im Knast. Doch eine Gesetzesänderung hat die bezahlte Liebe zu einem Gewerbe gemacht wie jedes andere auch. Womit es für Polizei und Justiz schwerer geworden ist, Fälle, in denen Frauen unter Zwang für Zuhälter anschaffen müssen, aufzudecken und zu bestrafen. So erregte es bundesweit Aufsehen, als im August 2006 die 8. Strafkammer des Augsburger Landgerichts unter Hinweis auf das neue Gesetz es ablehnte, gegen die Betreiber der beiden Großbordelle in Augsburg und Ulm den Prozess zu eröffnen.

Doch "Colosseum" und "Morgenland", die als privater FKK-Club auftreten, blieben weiter im Visier der Fahnder. Und diese hatten Glück: Vor einem Jahr packte eine der Frauen, die wie eine Sklavin gehalten wurde, als "Kronzeugin" aus. Polizisten und Staatsanwälte durchsuchten daraufhin mehrfach beide Etablissements sowie Wohnungen der Zuhälter, wobei sie auch Waffen sicherstellten.
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SZ 03.04.2008
Das Augsburger Netzwerk vor Gericht

Vier Betreiber des Bordells "Colosseum" müssen sich wegen schweren Menschenhandels verantworten
Wenn an diesem Donnerstag in Augsburg vor dem Landgericht der Prozess gegen vier Bordellbetreiber beginnt, dann geht es für Kripo-Chef Klaus Bayerl nicht nur um Frauen, die wie Ware gegen ihren Willen zwischen Bordellen hin- und hergeschoben worden sein sollen. Es geht auch um die sehr grundsätzliche Frage, was die Hintermänner in der Rotlicht-Szene heute dürfen und was nicht. Kripo-Chef Bayerl sagt: "Wir müssen wieder Boden zurückgewinnen."

Seitdem die Bundesregierung 2002 mit dem Prostitutionsgesetz faktisch die Sittenwidrigkeit der bezahlten Liebe abgeschafft hatte, herrschen neue Gepflogenheiten im Rotlicht-Milieu. Am Rande der Augsburger Innenstadt hat 2004 ein Großbordell eröffnet, wie es den Augsburger Ermittlern bis dahin noch nicht untergekommen war. Vereinsmannschaften sollen Ausflüge in den "FKK Sauna-Club" verlegt haben, der laut Ermittler 60 Euro Eintritt verlangt und offensiv mit mindestens 40 "Elfen der Lust" wirbt. Hinter dieser Fassade vermutet Kripo-Chef Bayerl aber ein "hochkriminelles Netzwerk", das seit Bestehen des neuen Prostitutionsgesetzes selbstbewusst Grenzen auslotet. Was früher einmal verboten war, ist heute erlaubt. Das mussten die Ermittler 2006 schmerzlich erfahren. Sie hatten Beweise dafür zusammengetragen, dass die Huren sich ihren Freiern ständig nackt zeigen mussten, nicht telefonieren oder in Gruppen beisammen stehen durften und bei Verstößen Strafen zu zahlen hatten. Nach altem Recht wären dies Hinweise auf dirigistische Zuhälterei gewesen. Doch die 8. Strafkammer des Landgerichts lehnte es in einem höchst umstrittenen Urteil ab, gegen fünf Beschuldigte aus dem Bordell ein Hauptverfahren zu eröffnen. Das neue Prostitutionsgesetz billige den Bordellbetreibern eben zu, die Regeln zu bestimmen.

Jetzt haben die Ermittler einen neuen Anlauf unternommen, gegen das Großbordell vorzugehen. Angeklagt sind diesmal drei Männer und eine Frau im Alter von 35 bis 43 Jahren aus dem Umfeld des Bordells wegen des Verdachts des schweren Menschenhandels. Sie sollen vor allem in Ungarn junge, oft mittellose Frauen unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt haben, um sie dann in Bordellen wie dem Augsburger "Colosseum" sexuell auszubeuten. Manche der Frauen waren offenbar erst 16 Jahre alt und mussten täglich bis zu 13 Stunden anschaffen. Kripo-Chef Bayerl sagt: "Es geht jetzt darum, ein Zeichen zu setzen. Die Szene muss erkennen, dass sie sich nicht alles erlauben kann."

Im Umfeld des Bordells fühlt man sich mittlerweile von den Ermittlungsbehörden "schikaniert". Nachdem im Februar zum inzwischen fünften Mal Räume des Bordells durchsucht worden waren, beschwerte sich einer der Betreiber-Anwälte beim Justizministerium. Daraufhin empörte sich Reinhard Nemetz, Chef der Augsburger Staatsanwaltschaft: Es handle sich schließlich um ein Bordell und nicht um einen Männergesangsverein. Mit Spannung erwartet man in der Stadtverwaltung den Prozessausgang. Gerne würde man das Bordell schließen - doch noch fehlen die Argumente. "Ohne Urteil sind wir machtlos", erklärte Ordnungsreferent Klaus Kirchner (SPD).
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AA 03.04.2008
Frauen sexuell ausgebeutet, geschlagen und bedroht

Jung, häufig arm, kamen die Ungarinnen nachDeutschland. Hier schafften sie in Bordellen an, wurden von ihren Zuhältern geschlagen und bedroht, so die Anklage. Drei Männer und eine Frau stehen vor Gericht.

Die Geschichten der jungen Frauen, die in der Anklageschrift aufgeführt werden, klingen ähnlich: Jung, häufig arm, kamen sie von Ungarn nach Deutschland. Hier schafften sie in Bordellen an, darunter im "Colosseum" in Augsburg. Sie wurden laut Anklage von ihren Zuhältern geschlagen und bedroht, wenn sie nicht genug verdienten. Ihren Dirnenlohn (bis zu 1200 Euro pro Tag) mussten sie fast komplett abgeben.

Die Frauen, die kein Deutsch sprachen, seien in "totaler Abhängigkeit" gehalten worden, so Staatsanwalt Lars Baumann. Und als eine von ihnen nach einer Abtreibung unter Blutungen litt, wurde sie von ihren Zuhältern angeblich aufgefordert, trotzdem zu arbeiten.

So steht es in der Anklage, die am Donnerstag vor dem Landgericht Augsburg verlesen wurde. Dort stehen drei Männer und eine Frau wegen des Verdachts auf schweren Menschenhandel und Zuhälterei vor Gericht. Wie berichtet wurden zwei Nebenfiguren bereits verurteilt.

Bei den jetzt Angeklagten soll es sich um den Kern des Menschenhändlerringes handeln: drei Ungarn, die mindestens sieben Frauen von Ungarn nach Deutschland geschafft haben sollen. Formal haben sie mit den Betreibern des "Colosseums" nichts zu tun. Ein Paar (43 und 40) soll die Mädchen zwischen 16 und 26 Jahren angeworben haben, ein 35-Jähriger die Vermittlung in Bordelle übernommen haben. Alle drei Ungarn lebten bis zur Festnahme im April 2007 in Augsburg.

Und nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ist man auch an die Führung des "Colosseum" herangekommen. Mit auf der Anklagebank sitzt ein 41-Jähriger. Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Mann, der im Anzug erschien, den faktischen Geschäftsführer, auch wenn er das bestreitet. Den eigentlichen "Rotlicht-Paten" vermutet die Polizei ohnehin in der Türkei, wo ihm schwer beizukommen ist.

Die Angeklagten äußerten sich nicht. Auch Zeugen wurden noch nicht vernommen. Die Verteidigung bezweifelte die Zuständigkeit der 10. Kammer (Vorsitz Klaus Schelzig), nachdem das Verfahren wegen Überlastung einer anderen Kammer dort gelandet war. Das Gericht verwarf den Antrag. Nun laufen Gespräche zwischen den Prozessparteien zu möglicher Strafhöhe und einer Aussage der Angeklagten. Damit bliebe den Prostituierten, die zum Teil in Angst vor Rache leben, ein Erscheinen im Zeugenstand erspart. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Momentan laufen bei der Staatsanwaltschaft zwei weitere Verfahren in Sachen "Colosseum" wegen Menschenhandels und Schwarzarbeit. Wie berichtet hatten die Anwälte des "Colosseums" nach der jüngsten Razzia Beschwerde beim Justizministerium eingelegt und eine Ablösung der Augsburger Staatsanwälte gefordert. Diesen Antrag hat die Generalstaatsanwaltschaft in München abgelehnt.
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AA 10.04.2008
Menschenhandel: Zuhälter müssen hinter Gitter

Im Strafprozess wegen schweren Menschenhandels, sexueller Ausbeutung und Zuhälterei im Augsburger Bordell "Colosseum" ist das Urteil gefallen. Die vier Angeklagten, drei Männer und eine Frau, müssen jeweils für mehrere Jahre in Haft.

Im Strafprozess wegen schweren Menschenhandels, sexueller Ausbeutung und Zuhälterei im Augsburger Bordell "Colosseum" ist das Urteil gefallen. Die vier Angeklagten, drei Männer und eine Frau im Alter von 35 bis 43 Jahren, wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Das ungarische Pärchen muss jeweils für drei Jahre hinter Gitter, der ungarische Vermittler drei Jahre und vier Monate. Das Gericht erkannte in drei Fällen auf schweren Menschenhandel und Zuhälterei.

Der deutsche Angeklagte, laut Polizei Geschäftsführer des Colosseum in Augsburg, wurde zu zwei Jahre und zwei Monaten verurteilt. In seinem Fall entschied das Gericht auf "einfachen Menschenhandel". Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben. Er konnte nach einem Jahr Untersuchungshaft den Gerichtssaal in Freiheit verlassen, muss aber noch eine Reststrafe absitzen.

Die Urteile sind rechtskräftig. Die verhängten Strafen waren vor der Urteilsverkündung zwischen Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft vereinbart worden. Die Frau und zwei der Beschuldigten hatten die Vorwürfe schon zu Beginn des Verhandlungstages in vollem Umfang eingeräumt, am Nachmittag hatte auch der vierte Angeklagte ein Geständnis abgelegt.

In seiner Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter, die Absprache sei eine "schwere Geburt" gewesen. Wichtigster Grund für die eher niedrige Strafzumessung sei es gewesen, den zur Prostitution gezwungenen Frauen Aussagen vor Gericht zu ersparen. "Das wäre für die Betroffenen eine Qual geworden", sagte der Richter.

Die Verurteilten hatten für Bordelle in Augsburg und Neu-Ulm Frauen aus Ungarn nach Deutschland gelockt und in "totaler Abhängigkeit" gehalten. Dabei mussten die zum Teil unter 21 Jahre alten Frauen laut Anklage sieben Tage in der Woche 13 Stunden ohne Pause arbeiten und ihren Lohn an die Zuhälter abgeben. Zeitweise hatten die Beschuldigten die Ungarinnen gezwungen, in weiteren Bordellen in Deutschland und Österreich zu arbeiten.

Einer Frau war in Kufstein die Flucht aus einem Bordell gelungen. Sie hatte die Polizei informiert und das Verfahren ins Rollen gebracht. Der deutsche Angeklagte soll als inoffizieller Geschäftsführer für rund 55 Prostituierte in zwei Bordellen in Augsburg und Neu-Ulm für die Missstände verantwortlich gewesen sein.
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#4

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Stern 05.03.2009
Eine Branche mit Steher-Qualitäten

Auszug aus dem Artikel

Vorbild ist der Augsburger Klub Colosseum. Es ist Vormittag, und in der feuchtwarmen Luft der Wellness-Landschaft sitzen einige junge Frauen beim Frühstück. Mittags wird geöffnet. Nadine findet es gut, hier zu arbeiten, auch wegen der Duschen, "denn manche stinken, das geht gar nicht". Ihr ist es wichtig, dass sie hier jeden Freier ablehnen und kommen und gehen kann, wann sie will. Sie verbringt hier die Wartezeit auf den Studienplatz in Maschinenbau. Hier wird auch noch richtig Umsatz gemacht. Der Freund ihrer Kollegin Anja möchte, dass die aufhört. "Aber man kann nicht wieder als Arzthelferin arbeiten, wenn man sich an das Geld gewöhnt hat." Luxustempel wie das Colosseum, das Morgenland in Ulm oder das gerade eröffnete Paradise beim Stuttgarter Flughafen sind die neuen Kapitalanlagen des Gewerbes.
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Zweiter Anlauf

#5

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AA 08.05.2009
Sexclub: Die Justiz lässt nicht locker

Bislang konnten Polizei und Staatsanwaltschaft den Betreibern des Augsburger Sexclubs "Colosseum" wenig ankreiden. Nun aber geht es um neue Delikte.

Die Fahnder der Kripo lagen auf der Lauer und wurden Zeugen der brutalen Szene, die sich am 9. Juli 2008 vor dem Großbordell Colosseum abspielte. Es war 3 Uhr nachts, als sich Gunther H. (43) "seine" Frau vor der Tür des Etablissements vorknöpfte. Die Fahnder berichten, er habe sie gewürgt, geschüttelt und an den Haaren gezerrt.

Für Augsburgs Kripo-Chef Klaus Bayerl ist dieser Übergriff ein erneuter Beweis, dass es hinter der Fassade der schicken Großbordelle bei weitem nicht so harmonisch zugeht, wie es die Betreiber gerne darstellen. Gunther H., der als Zuhälter seine Prostituierte im Colosseum untergebracht haben soll, sitzt derzeit auf der Anklagebank.

Den Bordellbetreibern dagegen konnten Polizei und Staatsanwaltschaft bisher nur wenig ankreiden. Urteile fielen meist milde aus. Jetzt nehmen die Behörden einen neuen Anlauf. Gegen vier Männer und eine Frau wurde Anklage erhoben. Laut Staatsanwaltschaft gehören sie zur Führungsriege. Der Vorwurf: Vorenhalten und Unterschlagen von Arbeitsentgelt.

Nach einer bitteren Niederlage im Jahr 2006 versuchen die Ermittler damit nun, die Chefetage des FKK-Clubs auf andere Weise zu packen. Damals, vor drei Jahren, war ein Prozess wegen Zuhälterei geplatzt. Das Landgericht ließ die Anklage nicht zu. "Die Damen hatten bekundet, dass sie die Arbeitsbedingungen kannten, mit diesen einverstanden waren und freiwillig tätig waren", begründete Richter Wolfgang Rothermel die Ablehnung.

Die neue Anklage listet nun ganz andere Delikte auf. Die Frauen im Colosseum würden wie Angestellte behandelt, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Daher, so die Anklage, hätten die Betreiber für die Frauen in die Sozialversicherung einzahlen müssen. Weil sie das nicht taten, sei ein Schaden von 415.000 Euro entstanden. Ein weiterer Vorwurf: Ausländerinnen seien ohne Arbeitserlaubnis beschäftigt worden.

"Bordelle brauchen ständig neue Gesichter"

Die Anklage stützt sich auch auf Erkenntnisse, die Kripo und Zoll bei einer großen Durchsuchungsaktion im Februar 2008 sammelten. 220 Beamte hatten das Haus auf den Kopf gestellt und 60 Zeugen, auch Prostituierte, befragt. Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai sagt, den Frauen seien "bei den Arbeitszeiten und bei der Preisgestaltung konkrete Vorgaben" gemacht worden. Deshalb seien sie Angestellte.

Die Anwälte der Colosseums-Betreiber reagieren auf die erneute Anklage gelassen. "Die Frauen können Pausen machen, wann sie wollen", sagt Rechtsanwalt Nicol Andreas Lödler. "Sie können später kommen und früher gehen, ohne Schwierigkeiten zu bekommen." Die Frauen müssten sich nur anmelden, bevor sie im Colosseum ihre Liebesdienste anbieten. Das sei alles.

Aus Sicht der Anwälte sind die Frauen keine Angestellten. Auch deshalb, weil sie vom Colosseum kein Gehalt bekommen. Die Prostituierten zahlen ebenso wie die Gäste Eintritt. Den Lohn für ihre Dienste kassieren sie vom Freier direkt. Kripo-Chef Klaus Bayerl ist überzeugt, dass viele Frauen trotzdem einen großen Teil ihres Geldes abgeben müssen. Nicht ans Colosseum, dafür an ihren Zuhälter. Bayerl: "Bordelle brauchen ständig neue Gesichter, dazu müssen sie in engem Kontakt mit dem örtlichen Milieu stehen."

Bayerl fährt seit Jahren einen harten Kurs gegen das Rotlichtmilieu. Mit der Gesetzeslage ist er nicht zufrieden. Ginge es nach ihm, wäre Prostitution unter 21 Jahren verboten. Den Druck der Polizei spürt die Branche. "Die vielen Durchsuchungen sind nicht zuträglich für das Geschäft", sagt Anwalt Lödler. Voriges Jahr hatten sich die Colosseums-Anwälte deshalb beim Justizminsterium beschwert. Vergeblich. Die Beschwerde wurde abgelehnt.
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AA 08.01.2010
Anklage gegen Sexclub scheitert

Niederlage für die Kriminalpolizei: Die Führungsriege des Augsburger Bordells "Colosseum" muss wohl nicht vor Gericht. Das Landgericht hat eine Klage abgewiesen.

Niederlage für die Kripo: Die Führungsriege des Augsburger Bordells "Colosseum" muss wohl nicht wegen Sozialbetrugs vor Gericht. Eine Klage blieb erfolglos.

Die 9. Kammer des Landgerichts hat eine Anklage, die sich gegen vier Männer und eine Frau richtete, abgelehnt. Das bestätigte der Vorsitzende Richter Rudolf Weigell.

Die Anklage stützte sich auf Erkenntnisse, welche die Ermittler bei einer großen Durchsuchung im Februar 2008 gewonnen hatten. Rund 220 Beamte von Kripo und Zoll hatten damals das Bordell in Oberhausen durchforstet. Die Staatsanwaltschaft wirft der Führungsriege des Sexclubs vor, den Sozialversicherungen rund 415 000 Euro vorenthalten zu haben.

Die Prostituierten würden wie Angestellte behandelt, argumentierten die Ankläger. Daher hätten die Betreiber für die Frauen Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen - was sie nicht taten. Die Richter sehen das anders und stufen die Frauen als Selbstständige ein. Ein Grund: Die Frauen würden für ihre Dienste von den Freiern bezahlt und nicht vom Bordell.

Seit Jahren versuchen Polizei und Staatsanwaltschaft gegen das Bordell vorzugehen, dessen Hintermänner laut Kripo in die organisierte Kriminalität verwickelt sind. Bisher mit nur mäßigem Erfolg: Schon einmal wurde eine Anklage wegen Zuhälterei abgeschmettert, andere Urteile fielen recht milde aus.
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AA 10.01.2010
Augsburger Sexclub: Staatsanwalt legt Beschwerde ein

Eine Anklage gegen die Führungsriege des Bordells Colosseum hatte das Landgericht nicht zugelassen. Die Augsburger Strafverfolger sind nun sauer.

Nachdem das Landgericht die Anklage gegen die Führungsriege des Bordells Colosseum wegen Schwarzarbeit-Förderung nicht zugelassen hat, wird sich das Oberlandesgericht mit der Angelegenheit befassen.

Leitender Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz kündigte an, Beschwerde gegen den Beschluss der 9. Kammer des Landgerichts einzulegen. Die Ablehnung der Anklage bedeutet, dass es kein Hauptverfahren gibt. Die Staatsanwaltschaft warf der Führungsriege des Colosseums vor, für Prostituierte, die faktisch Angestellte seien, keine Sozialabgaben gezahlt zu haben. Das Gericht war aber der Meinung, dass die Prostituierten wie Selbstständige arbeiten, da sie von den Freiern und nicht vom Colosseum bezahlt werden. So argumentierte auch Verteidiger Nicol Lödler.

Für die Staatsanwaltschaft ist es das zweite Mal, dass sie mit einer Anklage gegen das Colosseum beim Landgericht scheitert. 2006 lehnte die 8. Kammer eine Anklage wegen dirigistischer Zuhälterei ab. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wurden den Prostituierten zu viele Vorschriften gemacht. Das Gericht argumentierte damals, dass die Frauen selbst die Bedingungen im organisierten Betriebsablauf akzeptierten.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war mit dem damaligen Beschluss die Feststellung verbunden, dass die Prostituierten wie Angestellte in den Betrieb eingebunden sind. "Und jetzt entscheidet die eine Kammer so, die andere so", so Nemetz. Die Frage, ob die Prostituierten im Colosseum selbstständig oder scheinselbstständig sind, ist vor allem rechtlich von Bedeutung. Faktisch hatten die Ermittler das Bordell und dessen Umfeld wegen Menschenhandels im Visier, bislang allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.
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Erneute Vorwürfe

#6

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AA 01.09.2011
19-Jährige in Augsburger Luxusbordell ausgebeutet?

Der Fall einer 19-jährigen Prostituierten aus Rumänien kratzt am Ruf des Augsburger Luxusbordells „Colosseums“.

Madeleine, 27, beschreibt sich als „anschmiegsam und zärtlich“. Leona, 24, sagt sogar, sie habe in ihrem Beruf ihre Erfüllung gefunden. Die beiden Frauen arbeiten als Prostituierte im Colosseum, dem Großbordell nahe des Gaskessels. Es ist ein Club der Oberklasse, der mit Sauna und Pool einer Wellnessoase gleicht. Mehr als 20 Frauen warten dort auf Freier. Offiziell bieten alle ihre Liebesdienste freiwillig und auf eigene Rechnung an. Doch immer wieder zeigt sich: Auch hinter der schicken Fassade der neuen Wellnessbordelle gelten die alten, mitunter ruppigen Gesetze des Rotlichtmilieus.

Aktueller Fall: Ein 25-jähriger Zuhälter soll Frauen aus Rumänien, die im Colosseum arbeiteten, unter Druck gesetzt und ausgebeutet haben. Der 25-Jährige gehört nach Ansicht der Ermittler einer Bande von Menschenhändlern an, die junge Frauen aus Rumänien an FKK-Clubs in Deutschland vermittelte. Als FKK-Club firmieren inzwischen in vielen Städten Bordelle wie das Colosseum. Gegen eine Gebühr – in Augsburg sind es regulär 65 Euro – erhalten die Kunden Eintritt in den Club. Dort können sie, zwischen Palmen und Pool, Kontakt zu den Frauen aufnehmen und die Preise für Sex aushandeln.

Der Nachschub kommt vor allem aus Osteuropa

Die Clubs leben davon, dass es bei den Prostituierten einen ständigen Wechsel gibt. „Viele Kunden erwarten, dass sie immer wieder neue Frauen treffen“, sagt ein Ermittler. Der Nachschub kommt vor allem aus Osteuropa. Nur noch eine Minderheit der rund 700 Huren in Augsburg stammt aus Deutschland, heißt es bei der Kripo. Die Ermittler gehen davon aus, dass viele der osteuropäischen Frauen nicht eigenständig arbeiten, sondern Druck und teils auch Gewalt ausgesetzt sind. Nachzuweisen ist das oft nicht. „Viele schweigen gegenüber der Polizei“, sagt ein Ermittler.

Im aktuellen Fall war der Kontaktmann in Rumänien, der die Frauen anwarb und nach Deutschland vermittelte, ausgerechnet ein Polizist. Der 36-Jährige arbeitete bei der rumänischen Polizei im Bereich organisierte Kriminalität und Menschenhandel. Er wurde im Juni festgenommen und von Rumänien an Deutschland ausgeliefert. Er wartet jetzt in Untersuchungshaft auf den Prozess. Seinen Ausgangspunkt nahm der Fall in einem Großbordell im Raum Stuttgart. Dort begann die Kripo zu ermitteln, weil der rumänische Polizist eine „seiner“ Frauen verprügelte. Die Prostituierte hatte nicht genug Geld geliefert. Nach Polizeiangaben mussten die Frauen die Hälfte der Einnahmen abtreten und einen „Mindestumsatz“ erzielen. Einer erst 19 Jahre alten Rumänin und einer weiteren jungen Frau, die zuletzt beide im Colosseum in Augsburg arbeiteten, erging es wohl ähnlich. Ihr 25-jähriger Zuhälter wurde Ende Juni in Augsburg verhaftet. Hinter Gittern sitzt auch seine 23-jährige Freundin, die selbst im Colosseum arbeitete und zugleich aufpasste, dass die anderen Frauen „spuren“.

Die Führung des Colosseums will von all dem nichts gewusst haben. Eine Strafe droht dem Bordellboss nicht, weil ihm die Ermittler nichts nachweisen können. Immer wieder hatte die Kripo das Bordell in den vergangenen Jahren im Visier. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Frauen nicht eigenständig arbeiten, sondern sehr genau vorgegeben wird, was sie tun müssen“, sagt Augsburgs Kripochef Klaus Bayerl. „Da geht es auch um die Menschenwürde.“ Vor Gericht kassierten die Ermittler aber mehrere herbe Niederlagen. Das seit dem Jahr 2002 gültige Prostitutionsgesetz hat Lockerungen gebracht, von denen laut Bayerl vor allem Zuhälter und Clubbetreiber profitieren.

Immer wieder gelang aber der Nachweis, dass Frauen, die in dem Luxusbordell arbeiteten, von Zuhältern mit Gewalt gefügig gemacht wurden. 2007 schnitt sich eine junge Rumänin im Colosseum die Pulsadern auf. Sie wurde gerettet. Ihr Zuhälter soll sie danach aber, außer sich vor Wut, abgeholt und verprügelt haben. Ein Jahr später knüpfte sich Zuhälter Gunther H. eine „seiner“ Frauen direkt vor dem Gebäude vor. Er würgte sie und zerrte an ihren Haaren. Fahnder, die auf der Lauer lagen, filmten die Szene.
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Dritter Anlauf - Nun Fiskus statt Justiz

#7

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AA 09.01.2012
Großbordell ist pleite: Finanzamt stellt Insolvenzantrag

Der Colosseum-Club in Augsburg hatte lange Ärger mit der Kripo. Nun trat der Fiskus auf den Plan: Es gibt eine Steuerforderung in Millionenhöhe.

Das Finanzamt will Geld: Steuerforderungen in Millionenhöhe machen nach Informationen unserer Zeitung dem umstrittenen Großbordell Colosseum zu schaffen. Weil die Steuerschulden bisher nicht beglichen wurden, hat das Finanzamt einen Insolvenzantrag gegen die Betreibergesellschaft gestellt. Der Betrieb in dem Bordell in der Nähe des Gaskessels in Oberhausen läuft aber weiter. Das Etablissement war in den vergangenen Jahren immer wieder im Visier der Kripo.

Das vor einigen Jahren eröffnete Bordell bezeichnet sich selbst als FKK-Sauna-Club. Tatsächlich sehen die Räume auf den ersten Blick aus wie eine Thermenlandschaft – mit Sauna, Schwimmbecken und Bar. Doch in erster Linie geht es um die käufliche Liebe. Wer ins Bordell will, bezahlt an der Tür rund 60 Euro Eintritt. Im Club warten dann etwa 30 Prostituierte, die ihre Liebesdienste anbieten – gegen weiteres Geld. Auf dieses Geld hat es das Finanzamt abgesehen. Die Behörde vertritt die Ansicht, dass die Betreibergesellschaft nicht nur Eintrittsgelder, sondern auch die Umsätze der Prostituierten versteuern muss.

Anwalt des Clubs ist überzeugt, dass das Finanzamt falsch liegt

Die Forderung liegt nach Informationen unserer Zeitung im Millionenbereich, weil sich das Finanzamt auf mehrere Jahre bezieht. Die Umsätze wurden offenbar geschätzt, weil die Betreibergesellschaft, die Colosseum GmbH, dazu keine Angaben macht. Das könne die Gesellschaft auch gar nicht, argumentiert Anwalt Bernhard Hannemann, der das Bordell in dem Fall berät. „Die Frauen arbeiten selbstständig und auf eigene Rechnung“, sagt Hannemann. „Der Betreiber kann nicht wissen, wie viel sie verdienen.“

Hannemann vertritt die Ansicht, dass das Finanzamt mit seiner Forderung falsch liegt. Die Prostituierten müssten ihre Einnahmen selbst versteuern, meint er. Mit dem Colosseum habe das nichts zu tun. Auch die Frauen müssten zuerst Eintritt bezahlen, um in das Bordell zu gelangen. Dort könnten sie über die Liebesdienste dann mit den Freiern selbst verhandeln – es gebe vonseiten des Colosseums dazu keine Vorgaben. Bei der Kripo sah man das lange Zeit anders: Die Ermittler waren der Ansicht, dass den Frauen genaue Vorgaben gemacht werden. Unter anderem war davon die Rede, dass es einen „Nacktzwang“ gegeben haben soll. Die Frauen durften, so die Sicht der Kripo, im Poolbereich keine Kleidung tragen. Auch ein Handyverbot wurde erwähnt.

Doch die Ermittler kassierten vor Gericht immer wieder herbe Niederlagen. In einigen Fällen gelang aber zumindest der Nachweis, dass Frauen, die im Colosseum arbeiteten, von Zuhältern mit Gewalt gefügig gemacht wurden. So gibt es ein Polizeivideo, das zeigt, wie ein wütender Zuhälter „seine“ Frau vor dem Bordell an den Haaren zerrt und würgt. Zuletzt wurden im November vorigen Jahres drei Zuhälter vom Landgericht Stuttgart zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten rumänische Frauen durch mehrere Großbordelle in Deutschland geschleust und ihnen Geld abgenommen. Eine Station war das Colosseum in Augsburg. Die Colosseums-Betreiber beteuern jedoch, davon nichts gewusst zu haben.

Die Betreibergesellschaft klagt inzwischen gegen den Steuerbescheid. Doch mit einer schnellen Entscheidung ist nicht zu rechnen. Das Finanzgericht in München ist überlastet. Frühestens in einigen Jahren könne man sich des Falls annehmen, signalisierte das Gericht. Das Colosseum hat indes weiter geöffnet. Ende 2011 wurde eine neue Betreibergesellschaft gegründet, der Geschäftsführer blieb aber derselbe. Der Münchner Anwalt Philip Heinke prüft derweil im Auftrag des Amtsgerichts, wie viel Geld bei der alten Betreibergesellschaft noch zu holen ist. Spätestens bis Monatsende will er das Gutachten abgeben.
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BSZ 13.01.2012
Teures Liebesvergnügen

Es ist der wichtigste rechtliche Meinungsstreit im Gewerbe der käuflichen Liebe: Während Bordellbetreiber stets betonen, dass die dort tätigen Damen freiberufliche Selbstständige seien, geht Vater Staat meist davon aus, dass ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis besteht.

In Augsburg macht das Finanzamt jetzt eine Steuernachzahlung in Millionenhöhe gegenüber dem Riesenbordell Colosseum geltend, einem der wohl größten Einrichtungen dieser Art in Bayern. Weil die Steuerschulden bisher nicht beglichen wurden, hat das Finanzamt einen Insolvenzantrag gegen die Betreibergesellschaft gestellt. Der Betrieb in dem Bordell in der Nähe des Gaskessels im Stadtteil Oberhausen läuft aber weiter.

Das vor einigen Jahren eröffnete Bordell bezeichnet sich selbst als FKK-Sauna-Club. Tatsächlich sehen die Räume auf den ersten Blick aus wie eine Thermenlandschaft - mit Sauna, Schwimmbecken und Bar. Wer ins Bordell will, bezahlt 60 Euro Eintritt. Im Club warten dann etwa 30 Prostituierte, die ihre Dienste anbieten - gegen weiteres Geld. Auf dieses Geld hat es das Finanzamt abgesehen. Die Behörde vertritt die Ansicht, dass die Betreibergesellschaft nicht nur Eintrittsgelder, sondern auch die Umsätze der Prostituierten versteuern muss.

Die Umsätze wurden offenbar geschätzt, weil die Betreibergesellschaft, die Colosseum GmbH, dazu keine Angaben macht. Das könne die Gesellschaft auch gar nicht, argumentiert deren Anwalt Bernhard Hannemann, der das Bordell in dem Fall berät. "Die Frauen arbeiten selbstständig und auf eigene Rechnung", sagt Hannemann. "Der Betreiber kann nicht wissen, wie viel sie verdienen." Die Prostituierten müssten ihre Einnahmen selbst versteuern, meint er. Auch die Frauen müssten zuerst Eintritt bezahlen, um in das Bordell zu gelangen.
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BayWa macht sich lächerlich

#8

Beitrag von Red Light News »

AA 03.02.2012
Prostituierte übernachten im Bordell - Unternehmen klagt

Im Colosseum-Club sollen die Frauen nicht nur arbeiten, sondern auch vorübergehend wohnen. Der BayWa nebenan gefällt das nicht.

Wer von einem „Arbeitszimmer“ spricht, wird vermutlich an anderes denken. Aber wie jenen Raum benennen, in dem sich Mann und Frau dem bezahlten Sex hingeben? Da Prostitution seit einigen Jahren ein anerkanntes Gewerbe ist, sind es ganz einfach ebenfalls „Arbeitszimmer“. Jedenfalls für Juristen, wie gestern ein Prozess vor dem Augsburger Verwaltungsgericht deutlich machte. Das Handelsunternehmen BayWa, direkte Nachbarin des „Colosseums“, einem FKK-Saunaklub im Augsburger Stadtteil Oberhausen, hatte das Gericht angerufen. Die Klägerin wollte verhindern, dass die Prostituierten nach getaner Arbeit dort übernachten dürfen.

Damit ist die BayWa vor dem Verwaltungsgericht gescheitert. Die bereits von der Stadt erfolgte Genehmigung elf der 28 Räume für Übernachtungen zu nutzen, ist damit rechtens. Eine schriftliche Begründung für das Urteil erfolgt erst in den nächsten Tagen.

Auf den ersten Blick verwundert die Klage der BayWa, liegen doch Unternehmen und Großbordell in einem Gewerbegebiet. Nächtliche Störungen der Anwohner durch Freier sind so praktisch ausgeschlossen. Doch bei der BayWa sieht man die Gefahr, künftig verstärkt Rücksicht nehmen zu müssen, wenn Wohnen im Gewerbegebiet erlaubt ist. So wird auf dem Grundstück neben dem Bordell beispielsweise Pflanzenschutzmittel gelagert.

Wie Anwalt Bernard Hannemann im Prozess vortrug, verhält sich der von ihm vertretene Bordellbetreiber wie ein Hotelbetrieb, der Zimmer anbietet. Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Hildegard Schrieder-Holzner deutete bereits in der Verhandlung an, dass es dieser Einschätzung ebenfalls zuneigt. Laut Hannemann müssen die Frauen für eine Übernachtung in dem zehn Quadratmeter großen Zimmer, das über kein eigenes Bad verfügt, zehn Euro zahlen. Zudem bleiben sie nie länger als 14 Tage, bevor sie an ein anderes Bordell in einer anderen Stadt wechseln; die Freier würden ständig neue Frauen fordern, heißt es in der Branche.
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Es ist nicht so wie es aussieht

#9

Beitrag von Red Light News »

Stern 06.02.2013
Arbeitsagentur wollte 19-Jährige an Bordell vermitteln

Zuerst freute sich die junge Frau, endlich hatte die Arbeitsagentur in Augsburg ein Jobangebot für sie. Dann erschrak sie, ihre Mutter schrie vor Entsetzen auf: Die 19-Jährige sollte als Servicekraft in einem großen Bordell anfangen. Die staatlichen Vermittler sprechen von einem "Versehen".

Wer auf die Website vom Augsburger Colosseum geht, wird mit deutlichen Worten begrüßt: "Welcome to Colosseum FKK-Club", "Sex & Relax auf über 2500 qm", "Girls mit mega Service and more", heißt es dort. Ein großes Bordell mit Whirlpool - und einer Bar, falls die Gäste durstig werden.
An genau diese Theke wollte nun die Augsburger Arbeitsagentur eine arbeitsuchende 19-Jährige stellen. Wie die "Augsburger Allgemeine" berichtet, erhielt die junge Frau am Samstag einen Brief ihrer Arbeitsagentur mit dem Stellenangebot als Servicekraft im Colosseum. Voraussetzung sei ein "ansprechendes Auftreten", heißt es demnach in dem Brief, der der Zeitung vorliegt. 42 Stunden, vor allem nachts und am Wochenende, hätte sie in dem Etablissement Drinks ausschenken sollen. "Ich war total entsetzt. Meine Mutter hat sogar geschrien, als sie den Brief gesehen hat", zitiert das Blatt die junge Frau. Seit November sucht die gelernte Hauswirtschafterin einen Job - als Hauswirtschafterin und "nicht an einer Theke in einem Bordell", wie sie selbst sagt.

Geschäftsführer der Arbeitsagentur: "Es tut mir leid"

Die Arbeitsagentur bedauert inzwischen das wenig moralische Angebot: Der Brief sei ein Versehen gewesen, sagte Geschäftsführer Roland Fürst gegenüber der "Augsburger Allgemeinen". Bei einer Stelle im Rotlichtmilieu hätte die Frau eigentlich vor dem Schreiben gefragt werden müssen, ob sie überhaupt Interesse hat. "Es tut mir leid. Hier ist uns ein Fehler unterlaufen. Die zuständige Vermittlerin hat das Gespräch nicht geführt und den Brief am Freitag verschickt." Der Vorfall sei unangenehm, sagte Fürst. "Es entsteht der Eindruck, dass wir hier ungefiltert Vermittlungsvorschläge raushauen." Die Agentur werde künftig noch genauer hinschauen, ob eine Stelle zum Bewerber passe. "Gerade bei einer Stelle im Rotlichtmilieu muss es passen." Eine Stelle als Prostituierte würde man aber grundsätzlich nicht vermitteln. Dabei wäre das durchaus denkbar: Mit Einführung der Hartz Gesetze 2004 ist es generell möglich geworden, dass Arbeitsagenturen Erwerbslose ins horizontale Gewerbe vermitteln. Zwei Jahre zuvor war der Job der Prostituierten legalisiert worden, um eine rechtliche Absicherung der Sexarbeiterinnen zu gewährleisten. Seither haben sie etwa die gleichen Rechte bei Renten- und Krankenversicherung wie andere Arbeitnehmer auch.

Wer eine Stelle als Prostituierte ablehnt, darf nicht bestraft werden

Damit stand einer Vermittlung von Arbeitslosen ins Rotlicht juristisch nichts mehr im Wege. Der Gesetzgeber hatte bei der Frage der Zumutbarkeit von Jobs keine Schamgrenzen definiert. Ein zentrales Ziel der Gesetzgebung war es, den Druck auf Arbeitslose erhöhen, damit sie jede beliebige Beschäftigung aufnehmen. Allerdings war die Rechtslage immer umstritten, wenn eine staatliche Einrichtung Frauen in einer finanziellen Notlage zur Prostitution drängt. Bereits 2004 erlegten sich die Arbeitsagenturen eine Selbstverpflichtung auf. Sie lief in der Praxis darauf hinaus, dass Frauen, die ein Stellenangebot als Prostituierte ablehnen, nicht mit dem Entzug von Unterstützungsgeldern bestraft werden. Trotzdem wurden immer wieder Fälle publik, wo sich Frauen unter Druck gesetzt fühlten. 2009 schaffte das Bundessozialgericht in einem Fall Klarheit, wo ein Bordellbetreiber zweier Etablissements in Speyer und Karlsruhe von einer Arbeitsagentur verlangt hatte, zwölf Stellen für Prostituierte aus Deutschland und der Europäischen Union auszuschreiben. Die Agentur weigerte sich, der Bordellbetreiber klagte. Das Gericht hielt ihm entgegen: "Ein aktives Fördern der Prostitution durch Träger öffentlicher Gewalt lässt sich nicht mit der Wertordnung des Grundgesetzes vereinbaren."
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Ermittler lassen nicht locker - gegen vermeintlichen Rocker

#10

Beitrag von Red Light News »

AA 30.11.2013
Ex-Colosseum-Chef auf Mallorca verhaftet: Mitglied der Hells Angels?

Seit Jahren hat die Kripo den Sexklub im Visier. Jetzt wurde Olaf R., der im „Colosseum“ lange das Sagen hatte, festgenommen. Gehört er zum Dunstkreis der berüchtigten Hells Angels?

Es ist die Zeit, bevor im Augsburger Luxusbordell Colosseum das Geschäft mit der käuflichen Liebe beginnt. Noch sind die Frauen ungeschminkt, tragen bequeme Jogginganzüge und rauchen in der Ka"eeküche. Es ist ein Märztag im vorigen Jahr, früher Nachmittag. Olaf R., 42, sitzt entspannt in der großen Halle des Bordells. Er ist nicht der Geschäftsführer, seine Rolle bleibt unklar. Doch man spürt, dass er hier etwas zu sagen hat. R. sagt, dass es ihm in Augsburg gefällt. Die Rotlichtszene sei übersichtlich, es gebe keine Revierkämpfe.

Im Colosseum, einem schlichten Industriebau mit Blechfassade neben dem Oberhauser Gaskessel, war Olaf R. inzwischen wohl schon länger nicht mehr. Wie unsere Zeitung erfuhr, wurde er im Sommer auf der Mittelmeerinsel Mallorca verhaftet. R. soll, so die Sicht der spanischen Ermittler, zum Umfeld von Hells-Angels- Boss Frank Hanebuth, 49, gehören.

Der muskelbepackte Rockerchef wurde im Juli bei einer Großrazzia in der mallorquinischen Finca seines Freundes Paul E., 72, festgenommen und sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Nach offiziellen Angaben werfen die Behörden Hanebuth & Co. Drogen- und Menschenhandel, Geldwäsche, Bestechung und Erpressung vor. Besonders brutal sollen die Verdächtigen mit den Frauen umgesprungen sein, die für sie anscha"en gingen. Einige Prostituierte, die in Deutschland für die Hells Angels gearbeitet haben, hätten ihre Einnahmen persönlich nach Mallorca bringen und sie den Rockern übergeben müssen, teilen die spanischen Behörden mit.

Polizei hörte ein Telefongespräch ab

Bei den millionenschweren Geschäften der Rockergruppe Hells Angels soll Olaf R. eine bedeutende Rolle gespielt haben. Die Ermittler glauben, dass er ein wichtiger Geldwäscher für die Organisation ist. Die Rede ist davon, dass Olaf R. Geschäfte mit Diamanten eingefädelt haben soll. In einem abgehörten Telefongespräch geht es o"enbar um einen Edelstein im Wert von rund 500.000 Euro. Angeblich soll R. auch in Pläne involviert gewesen sein, mit Rockergeldern auf Mallorca eine Formel-1- Rennstrecke zu errichten. Ein dreistellige Millionensumme sollte dabei den Ermittlungen zufolge investiert werden. Sollten die Vorwürfe gegen Olaf R. zutre"en, dann würde sich erstmals eine Verbindung zwischen dem Augsburger Bordell und der Rockergruppe Hells Angels zeigen.

Die Augsburger Kripo ist schon seit Jahren überzeugt davon, dass das Colosseum nur ein Ableger eines großen Netzwerkes ist. Als mutmaßlichen großen Paten im Hintergrund sahen die Augsburger Rotlichtermittler Necati A., 41. Der sorgte in den 1990er Jahren im Kölner Milieu für Angst und Schrecken und führte eine gefürchtete Türsteher-Truppe. Nach einer Verurteilung wurde er in die Türkei abgeschoben. Von dort aus zieht A. nun o"enbar die Strippen bei den immer zahlreicher werdenden Hells Angels mit Migrationshintergrund. Necati A. soll auch eine langjährige Freundschaft zu Rockerboss Hanebuth pflegen.

Bislang jedoch wurden diese internationalen Querverbindungen im Sexgeschäft nicht nachgewiesen. In Augsburg ermittelte die Kripo in den vergangenen Jahren zwar mehrfach wegen Menschenhandels und Zuhälterei gegen Personen aus dem Umfeld des Colosseums. Es gab Großrazzien mit Dutzenden von Beamten. Einige Zuhälter, die „ihre“ Frauen in das Bordell zum Arbeiten schickten, wurden zu Haftstrafen verurteilt. Doch die Führungsriege des Sexklubs kam stets mit einem blauen Auge davon.

Olaf R. stand vor vier Jahren in Augsburg vor Gericht – ins Gefängnis musste er aber nicht. Damals war R. angeklagt, weil sich eine junge Rumänin im Colosseum die Pulsadern aufschnitt. Ihr Zuhälter soll sie deshalb, außer sich vor Wut, im Bordell abgeholt und verprügelt haben. Doch Olaf R. beteuerte, trotz der vielen Überwachungskameras in dem Klub, von all dem nichts gewusst zu haben. Obwohl die Polizei wochenlang sein Telefon abhörte, gab es keine konkreten Beweise.

Zuletzt gab es keine Strafverfahren mehr, dafür setzte das Finanzamt dem Bordell der Oberklasse zu. Die Behörde forderte dem Vernehmen nach einen Millionenbetrag von der Betreibergesellschaft, deren Gesellschafter Olaf R. war. Der Hintergrund: Das Colosseum ist ein sogenannter FKK-Sauna- Klub, ein Konzept, das sich vor rund zehn Jahren in der Republik schnell verbreitete.

Die Räume gleichen auf den ersten Blick einer Thermenlandschaft – mit Sauna, Schwimmbecken, Whirlpool und Bar. Doch in erster Linie geht es um die käufliche Liebe. Wer ins Bordell will, bezahlt an der Tür rund 60 Euro Eintritt. Im Klub warten dann zahlreiche, nackte Prostituierte, die ihre Dienste anbieten – gegen weiteres Geld.

Er ließ sogar Interviews mit Prostituierten zu

Auf dieses Geld hat es das Finanzamt abgesehen. Das Amt vertritt die Ansicht, dass das Bordell nicht nur Eintrittsgelder, sondern auch die Umsätze der Prostituierten versteuern muss. Die alte Betreibergesellschaft, in die Olaf R. investiert hatte, ging deshalb in die Insolvenz und wurde mittlerweile aufgelöst. Es gibt einen Rechtsstreit, dessen Ende nicht absehbar ist. Und es gibt jetzt eine neue GmbH, mit der Olaf R. zumindest offiziell nichts mehr zu tun hat – im Handelsregister taucht der Name nicht mehr auf. Im Bordell wurde R. aber danach weiterhin gesehen. Er arbeitete am Image des Hauses, ließ sogar Interviews mit den Prostituierten zu.

Was Olaf R. jetzt zu den Vorwürfen sagt, die in Spanien gegen ihn erhoben werden, bleibt unklar. Wer sich bei seinem deutschen Rechtsanwalt meldet, der scheitert schon am Vorzimmer. Seinen Wohnsitz hatte der muskulöse, stets gut gebräunte Rheinländer schon seit Jahren auf Mallorca. Im Internet findet sich unter seinem Namen die Adresse einer komfortablen Wohnanlage im Westen der Insel – mit großem Pool und nahe gelegenem Golfplatz. Ein angenehmer Ort, um sich von den Strapazen des Alltags zu erholen.

Der deutsche Chefrocker Frank Hanebuth hat sich erst auf die Insel zurückgezogen, als ihm die deutsche Justiz 2012 immer enger auf die Pelle rückte. Er konnte das süße Leben dort nicht lange genießen. Er sitzt jetzt, wie zahlreiche weitere Hells Angels, in einer Zelle in Madrid in Untersuchungshaft.
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AA 06.06.2014
Ex-Bordellboss ist wieder frei

Er war eine Führungsfigur im Bordell Colosseum. Im vorigen Sommer wurde Olaf R. auf Mallorca bei einer Razzia gegen Hells Angels verhaftet. Jetzt durfte er das Gefängnis verlassen.

Er war der starke Mann im Augsburger Großbordell Colosseum. Die Kripo hatte Olaf R., 43, über Jahre im Visier. Die Ermittler hegten den Verdacht, R. arbeite in dem Sexklub beim Oberhauser Gaskessel als Strohmann eines mächtigen Rotlichtpaten. R. kam stets mit einem blauen Auge davon. Ins Gefängnis musste er nicht – bis er im vorigen Sommer auf der Ferieninsel Mallorca bei einer Großrazzia gegen die Rockerbande Hells Angels verhaftet wurde. Doch vermutlich wird er auch dieses Mal glimpflich davonkommen: Mitte Mai ist R. aus der Untersuchungshaft in Spanien entlassen worden.

Rund ein Dreivierteljahr saß Olaf R. dort hinter Gittern. Der Verdacht: Verwicklung in Bandenkriminalität. Die spanischen Ermittler mutmaßten, R. gehöre zum Umfeld des berüchtigten Hells-Angels-Chefs Frank Hanebuth, 49. Er hatte lange in Hannover das Rotlichtmilieu dominiert und war dann nach Mallorca umgesiedelt. In Spanien wirft man Hanebuth und rund zwei Dutzend weiteren Verdächtigen aus der Rockerszene Drogen- und Waffengeschäfte, Menschenhandel und Geldwäsche vor. Olaf R. hielten die Ermittler für einen wichtigen Geldwäscher der Organisation.

Von den Vorwürfen gegen Olaf R. ist nicht viel übrig geblieben

Doch von den Vorwürfen ist o"ensichtlich nicht viel übrig geblieben – zumindest nichts, was man beweisen könnte. R.s Augsburger Rechtsanwalt Bernhard Hannemann sagt auf Anfrage unserer Zeitung: „Es ist uns gelungen, die von den spanischen Behörden gegen Herrn R. erhobenen Vorwürfe zu entkräften.“ Einfach sei dies angesichts von Sprach- und Ländergrenzen nicht gewesen. Doch es führte zum Erfolg: R. wurde aus dem Gefängnis freigelassen.

Die Freilassung ist auch für Ermittler in Deutschland ein Rückschlag. Als R. auf der Ferieninsel verhaftet wurde, schien es so, als ob sich erstmals eine Verbindung zwischen dem Augsburger Bordell Colosseum und den Hells Angels beweisen lässt. Den Verdacht, dass das Bordell aus diesen Kreisen gesteuert wird, gab es schon lange. Als ein Hintermann galt den Ermittlern Necati A., 42. Er war einst eine Größe im Kölner Milieu und ist heute ein einflussreicher Rockerboss in der Türkei. Allein die Beweise fehlten.

Die spanischen Ankläger gingen davon aus, dass sie unter anderem illegale Geschäfte mit dem Bau einer Rennstrecke beweisen können. So sollten die Rocker dafür rund 500 Millionen Euro in bar bei sich getragen haben. Sie seien am Flughafen in Istanbul sichergestellt worden, sagen die Ankläger. Sollte es diese Summe tatsächlich gegeben haben, hätte die Rocker aber schwer daran zu tragen gehabt. Selbst bei der größtmöglichen Stückelung hätte das Geld noch über eine Tonne gewogen.

Olaf R. bestreitet, dass er mit Rockern zusammenarbeitet. Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass Mitglieder der Hells Angels die Tür des Augsburger Colosseums bewachen, habe R. sich umgehend von diesen Männern getrennt, sagt sein Rechtsanwalt. Ob R. sich künftig öfter wieder in Augsburg aufhalten will, bleibt unklar. O#ziell ist er schon seit einiger Zeit nicht mehr bei dem Sexklub engagiert, auch seinen o#ziellen Wohnsitz hatte er seit Jahren auf Mallorca. Derzeit erhole sich der Ex-Bordellchef von den Strapazen der Haft noch im sonnigen Süden, heißt es.
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