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Da fällt mir nichts ein...
RP 14.12.2015
Erkrath · Prostitution ist hierzulande legal, ein Großbordell aus Erkrath wirbt sogar auf Plakaten. Ein Besuch in der Parallelwelt, die sich mit der bürgerlichen überschneidet – und bei den Ohnmächtigen, die sie kontrollieren sollen.
Prostitution ist hierzulande legal, ein Großbordell aus Erkrath wirbt sogar auf Plakaten. Ein Besuch in der Parallelwelt, die sich mit der bürgerlichen überschneidet — und bei den Ohnmächtigen, die sie kontrollieren sollen.
Erkrath ist ein Städtchen im Grünen hinter Düsseldorf, das versucht, seinen wohl größten Touristenmagneten totzuschweigen. Wer an Erkrath denkt, soll an den Urmenschen denken, dessen Skelett 1856 nebenan im idyllischen Neandertal gefunden wurde, an die erste Bahnstrecke der preußischen Rheinprovinz und das moderne Planetarium. Aber die meisten denken an etwas anderes, nämlich an das Eine.
Das liegt an den Plakaten, die jeder kennt. "100 Girls" warten ihnen zufolge im angeblich größten Sauna-Club Europas. Es gibt viele davon, in der Region, aber auch in Frankfurt oder Bremen. Wie viele es sind, hätte ich gern vom Betreiber erfahren, aber der ist telefonisch nicht erreichbar und lässt alle E-Mails unbeantwortet.
In Impressum und Unternehmensverzeichnissen steht Aldo V., über den im Netz sonst nichts zu finden ist. Wer statt nach V. aber nach seinem Etablissement sucht, den versorgt Google ganz in seinem Sinne: Adresse, Öffnungszeiten, zwei Dutzend Hochglanz-Fotos von den leeren Räumen mit Maniküre/Pediküre-Salon, virtuelle Rundgänge, Nutzer-Bewertungen (derzeit 10, Schnitt: 3,3 von 5 Sternen), Karte samt Routenplaner sowie die beliebtesten Besuchszeiten (spätabends unter der Woche, frühmorgens am Wochenende) — all das erscheint sofort, prominent platziert noch vor den Suchergebnissen.
So läuft das bei Gastronomiebetrieben, und so etwas ähnliches sind Bordelle in Deutschland seit Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes am 1. Januar 2002. Werbung dafür blieb zunächst weiter tabu, aber nicht lange: 2006 erhörte der Bundesgerichtshof das Klagen der Bordellbetreiber und entschärfte den entsprechenden Paragraphen. Wer "Gelegenheit zu sexuellen Handlungen anbietet, ankündigt, anpreist", kann seitdem sagen, er habe den Rechtsstaat auf seiner Seite, solange er dies nicht "in grob anstößiger Weise" tut.
Aus den Augen, aus dem Sinn
Die Plakate mögen kaum zu übersehen sein, den Sauna-Club selbst allerdings hätte ich auf den letzten Metern fast verfehlt. Geparkt habe ich diskret in der Nebenstraße um die Ecke, aber ziemlich genau dort, wo der Navi-Bildschirm die Zielflagge angezeigt hatte, lächelt nun von der Stirnwand einer imposanten Halle meterhoch eine langhaarige Fototapeten-Frau auf mich herab. Dazu der Schriftzug "Willkommen zu Hause". Klingt sehr vollmundig für einen Puff — aber hier werden auch bloß Küchenmöbel verkauft, wie ringsum Elektronikteile und Tiernahrung, Getränke, Laminat, Fleisch und "Feinste Künstlerfarben". Die meisten Männer, gerade jene, die von etwas weiter anreisen, wollen zu dem Haus gegenüber der Küchenmöbelfirma. Im Sauna-Club verkaufen Frauen ihre Körper, wie man so sagt, genau genommen vermieten sie exklusiven Zugang dazu, im Halbstundentakt für je 50 Euro, Sonderwünsche auf Verhandlungsbasis.
Laut Eigenwerbung lassen sich organisierte Reisen in diskreten Kleinbussen buchen, deren Teilnehmer nichts vom schönen Erkrath sehen, weil die Busse ohne Zwischenstopp in dieses Gewerbegebiet fahren. Die Legalisierung der Prostitution hat ihre Profiteure selbstbewusst gemacht und ihren Gegnern Kopfschmerzen. Vor allem, weil die ohne echte Meinung zum Thema jetzt schulterzuckend sagen können "Ist doch legal". Auf den Plakaten wird keine nackte Haut gezeigt und kein Preis genannt. Also dürfen sie bleiben. Ausnahmen gibt es nur, wenn die Werber Anfängerfehler begehen, wenn sie "wild" plakatieren an Leverkusener Bäumen, oder allzu nah an einer Schule wie in Langenfeld. Die Lastwagen, die keine Ware transportieren, sondern bloß überdimensionale Aufsteller mit Puff-Werbung, dürfen das, solange sie nicht länger am selben Ort parken als 14 Tage. Falls sie es doch tun und sich jemand darüber beschwert wie jüngst in Mönchengladbach, kommt jemand und parkt den Wagen um und gut ist. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Die Tür des Saunaclubs ist geschlossen, aber wenn der Empfangsdame auf ihrem Monitor nichts Verdächtiges auffällt, drückt sie auf den Summer. Dann kassiert sie routiniert freundlich 60 Euro Eintritt, fragt nach der Schuhgröße, reicht einen lachsfarbenen Bademantel samt Plastikschlappen über die Fruchtgummi-Schale auf der Theke und schickt den Gast die Treppe hoch in den ersten Stock. "Gähen wir spazirren!", ermuntert mich dort eine dezent geschminkte blonde Frau, aber erst solle ich in den Bademantel schlüpfen. Sie führt mich voll bekleidet durch die 3.000 Quadratmeter große Verkehrs-Fabrik.
2003 war hier die Genehmigung für den Betrieb eines Swingerclubs erbeten worden, 2005 die Erlaubnis zur Erweiterung und Einrichtung eines Sauna-Clubs. 2006 stimmte die Stadt Erkrath einer weiteren Vergrößerung zu, ebenso 2010, 2012 und 2014. Sie hatte keinen Grund und keine Handhabe, es nicht zu tun, nachdem die teils monierten Sicherheitsmängel ausgeräumt waren. Bis 2009 wurden die Anträge von wechselnden Betreibern eingereicht. Seitdem zeichnet dafür der Eigentümer des Grundstücks — und seitdem gebe es auch "keine nennenswerten Probleme" mehr, sagt Bürgermeister Christoph Schultz, 34, Christdemokrat.
Man liest "Frankfurter Allgemeine"
Im Club selbst gibt es sowieso keine Probleme. Alles easy, alles cool auf den langen Fluren mit insgesamt 66 Zimmern. Aus den Boxen fluten Latino-Rhythmen und Lounge-Klänge die Bars, Sessel, Saunen und Feuerstellen. An den Wänden hängen großformatige Spiegel, Skyline-Fotoposter und pseudo-asiatische Wandteppiche. Tanzstangen und Knabbereien, dazu Flachbildschirme, auf denen Fußballspiele laufen oder Pornos. Der fröhlich blubbernde Whirlpool sei derzeit außer Betrieb, verkündet ein Schild.
Im Speiseraum ordert beim Oberkellner ein gepflegter Herr Ende vierzig — Typ Manager und Marathonläufer — ein Steak: "Medium plus, bitte, mit Salat und Pomm‘ Fritt." Dazu hätte er gern noch ein zweites alkoholfreies Bier. Das könne er sich aber auch selbst holen, falls es Umstände mache, sagt er, "gar kein Thema". Er hatte bemerkt, wie viel zu tun ist, seine gute Erziehung macht sich bemerkbar. Als die Berufsehre des Oberkellners siegt, vertieft sich der Freier in die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".
Bürgermeister Schultz liest Akten in seinem Büro im Alten Rathaus; aus dem offenen Fenster ertönen Jubelrufe. Eine Hochzeit; das Standesamt ist im selben Gebäude. Darüber würde er viel lieber reden, wie über eigentlich alles außer den Sauna-Club, aber er beantwortet alle Fragen, so lange sie nicht mit dem Steuergeheimnis kollidieren oder mit dem Persönlichkeitsrecht des Bordellbetreibers. Als Wahlkämpfer hatte er flapsig zu Protokoll gegeben: "Das einzige Gewerbe, das in Erkrath wächst, ist das horizontale". Nun nimmt er das Geld gern, das aus dem Club vor allem via Vergnügungssteuer in die kommunale Kasse fließt: Rund 450.000 Euro Einnahmen standen hier 2014 zu Buche, aus dem Sauna-Club stammt ein geschätztes Drittel davon. Seine Leute schickt er natürlich trotzdem regelmäßig zu unangekündigten Kontrollen.
"Die wissen, wir haben sie im Blick", sagt von der Seite Carsten Döhr, der Leiter des Erkrather Ordnungsamts, und Unrecht hat er damit nicht. Im Blick haben sie Baumängel und Beleuchtung im Sauna-Club sowie die Wasserqualität im Whirlpool, mit vereinten Kräften wachen die Vertreter der unterschiedlichen Behörden über Schanklizenz, Spielautomaten und die Einhaltung der Sperrstunde zwischen 5 und 6 Uhr morgens. Vor einigen Jahren waren im Rathaus Beschwerden von Freiern gelandet, Betreff: Nichteinhaltung des Nichtraucherschutzgesetzes. Denen sind sie auch nachgegangen. "Zuletzt ist es aber sehr, sehr ruhig geworden um den Club", berichtet Döhr und lächelt gequält. "Ist ja auch besser für die Geschäfte."
"Alle denken bloß an 'Pretty Woman'"
Damit die Geschäfte auch weiterhin gut laufen, sind bei meinem Besuch im Club Handwerker im Haus, sie bringen hier und da Kleinigkeiten auf Vordermann. Manche arbeiten mit Silikon, manche nicht. Wie die jungen Frauen, die an Theken und in Türrahmen lehnen. Einhundert sollen es pro Tag sein. Jetzt, an einem Sonntagnachmittag, sind es vielleicht 30. Manche tragen String-Tangas, andere hautenge Minikleider ohne Unterwäsche, manche Strümpfe oder Strapse. Hier wippt eine Afro-Mähne, dort trägt jemand blonden Bob zum Metalldornen-BH. Gemeinsam haben sie nur die absurd hohen, paillettenbesetzten Plateauschuhe.
Eine von ihnen wirft mir einen Luftkuss zu, als ich durch das Halbdunkel stolpere. Das schmatzende Geräusch ist unnatürlich laut. Ich weiß nicht, wer es war, vier oder fünf Frauen räkeln sich im Stehen in meine Richtung. Zwei sind oben ohne, oder waren es drei? Abstumpfung geht ganz flott. Der Versuch, in ihren Gesichtern zu lesen, ist zwecklos. Sie sind im Halbdunkel verborgen, eine dritte Schutzschicht gegen prüfende Blicke, zusätzlich zu Schauspielerei und Schminke.
"Wegwerfmenschen" nennt diese Frauen Helga Tauch (58) von der Frauenrechtsorganisation SolWoDi ("Solidarity with women in distress", d.h. "Solidarität mit Frauen in Not") aus Boppard bei Koblenz. Sie betreut Aussteigerinnen, viele seien traumatisiert, psychisch gestört. "Ein Jahr Prostitution, sieben Jahre Therapie", sagt sie über eine ihrer Schutzbefohlenen. Tauch klagt über zu wenig Forschung und Medienaufmerksamkeit für das Leid der Frauen. Niemand wolle hören, dass von der Arbeit der vielen "selbstständigen" Huren vor allem Menschenhändler und Zuhälter profitierten, die sie durch halb Europa scheuchten. "Die deutsche Volksseele interessiert das nicht", sagt Tauch. Prostitution werde romantisiert: "Bei diesem Thema denken alle bloß an 'Pretty Woman' oder Hans Albers und die Reeperbahn". In der Realität würden viele Frauen gezwungen, selbst während ihrer Periode anschaffen zu gehen — oder während ihrer Schwangerschaft. Mitten in Deutschland, ungestraft.
"Selbstständige Unternehmerinnen" überall
Im Sauna-Club verteilt der nette Oberkellner Küsschen und Cola light mit Strohhalm an die "Mädchen". Eine pickt mit spitzen Fingern in ihrem Salat, andere zerpflücken Gambas, Riesengarnelen, gerade ist All-You-Can-Eat, Flatrate-Fressen deluxe. Auch viele der Gäste sind ganz heiß darauf. Alle Gerichte würden ohne Schweinefleisch zubereitet, steht auf der Speisekarte. Vegetarische Gerichte gibt es auch, eins heißt "Spaghetti Mafia".
Eine blonde, kurvige Osteuropäerin mit sehr Kleinem Schwarzen und sehr roten Lippen lächelt mich an, es wirkt unheimlich sympathisch, aber vielleicht, vermutlich, wahrscheinlich ist auch das einstudiert. Ich fühle mich unwohl in diesem Bademantel, dessen Überstreifen der vorletzte Schritt auf dem Weg zum Freier ist. Der Letzte ist die Übereinkunft über eine Dienstleistung mit einer der "selbstständigen Unternehmerinnen".
Das sind offiziell die meisten Huren in Deutschland, eine jede tätig in ihrem eigenen Namen und auf eigene Rechnung, so steht es auf Websites und Spindtüren der meisten Bordelle und Clubs. Auf "Ausgestaltung und Abwicklung" der Geschäftsbeziehungen zwischen den "männlichen und weiblichen Gästen" habe das Personal keinen Einfluss, heißt es überall.
Die Opfer von Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung stammen dem BKA zufolge oft aus Osteuropa, "überwiegend aus schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen und sind nicht selten Mitglied einer familiären oder regionalen Clanstruktur". Angehörige dieser mafiösen Strukturen versprächen den häufig perspektivlosen Frauen lukrative Jobs in Deutschland, etwa in der Gastronomie. Vor Ort angekommen, werde ihnen dann eröffnet, dass sie sich prostituieren müssten — ab sofort, um überhöhte oder nichtexistente "Schulden für z. B. Pass- und Visabeschaffung, Reise-, Verpflegungs- und Unterbringungskosten" abzuarbeiten. Die Täter — "Netzwerke von Zuhältern, Geldwäschern, Urkundenfälschern und teilweise von Schleusern" — schüfen gezielt Abhängigkeitsverhältnisse zu den Frauen und zementierten sie unter Anwendung emotionaler, psychischer und auch physischer Gewalt.
Verbrüderung durch Verschwiegenheit
Die Freier, die sich das Recht nehmen, von der Möglichkeit solcher Vorgänge im Hintergrund nichts hören zu wollen, sind jünger, schlanker, bürgerlicher, als man erwarten würde. Im Sauna-Club verlassen fünf Polen Mitte vierzig angeregt plaudernd den Restaurantbereich, sie wirken wie Grundschullehrer oder Ingenieure. Drei feixende britische Jungspunde gockeln durch die Gänge, einer krault sich ausgiebig am Gemächt. Ein Araber wackelt mit goldkettchenbehängtem Bierbauch durch die Gänge. Ein hagerer Mann starrt missmutig auf einen Porno, einer mit Normalfigur lümmelt allein auf einem Diwan und wischt stundenlang auf seinem Smartphone herum.
Ihr Hiersein ist das einzige, was sie verbindet. Aber das ist mehr als genug. Ihre Verbrüderung besteht darin, dass sie nichts hören, nichts sehen, nichts sagen — nicht hier und schon gar nicht, falls sie einander in der Außenwelt begegnen würden, in Trainings- oder Maßanzug. Zu großer Form laufen manche online auf, anonym.
In speziellen Foren heißt es dann, gespickt mit Abkürzungen und animierten Smileys etwa über "Michelle (RO)": "Gross, schlank, die kleine OW [Oberweite] passt nicht ganz zum breiten Becken, hübsches Katzengesicht und ne sehr nette... Eigentlich wollte ich gehen, da setzte sich sich zu mir und kuckte mir tief in die Augen..." oder "Zimmer zwei ging an die kleine, schlanke Alexandra aus Brasóv mit der Mordsauslage. Super sportliche und zugleich irgendwie schmusig-persönliche Nummer. Fein !" Die Erfahrungsberichte sind teils seitenlang und mit regelrechtem literarischen Eifer verfasst. Unterbrochen werden die Heldengeschichten durch kühle Protokolle, in denen jeder Sexualakt dokumentiert und bewertet wird, "Porno-" und "Wiederholungsfaktor" inklusive.
Dass sich diese Einträge lesen wie Produktbewertungen, liegt daran, dass es welche sind.
Drei Kontrollen pro Tag — verteilt auf ganz NRW
Nicht so schnell wegzuklicken wie ein Freier-Forum ist die Kritik am System Prostitution. Die erschöpft sich nämlich nicht am Scheitern des Versuchs, unterschiedliche Moralvorstellungen miteinander in Einklang zu bringen. Man muss nicht bezweifeln, dass es Frauen gibt, die zumindest zeitweise aus eigenem Antrieb sexuelle Dienstleistungen anbieten — das dürfte aber meist im oberen Preissegment zutreffen, wo 500 Euro und mehr für eine "Abendbegleitung" fällig werden, oder bei Dominas, die sich von ihren Freiern bedienen, verwöhnen, teils mit Geschenken überschütten lassen.
"Der Anteil der Frauen, die freiwillig und selbstbestimmt der Prostitution nachgehen, ist unseren Erfahrungen nach verschwindend gering", sagt die Huren-Helferin Tauch. Sie hat viel zu tun. Das gut gemeinte Prostitutionsgesetz von 2002, eines der liberalsten weltweit, habe "die Schleusen für Menschenhandel geradezu geöffnet — und den Ermittlern die Hände gebunden".
Im Jahr 2014 führten Ermittler in NRW 1117 Kontrollen durch, drei pro Tag. Verteilt auf sämtliche Bordelle und Bars, Clubs und Wohnwagen sowie Straßenstriche im Land. Wie viele das sind, wissen die Ermittler beim LKA nicht. "Warum auch?", fragt einer. In 75 Fällen ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaften in NRW 2014 wegen "Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung", nur aus Dortmund und Köln wurden mehr als vier Fälle gemeldet. Identifiziert wurden insgesamt 91 Tatverdächtige und 82 Opfer, als rechtswidrige Gewinne konfisziert einmalig 30.200 Euro. Auf Bundesebene sieht es ähnlich aus.
"Die Zahl der in Deutschland festgestellten Fälle von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung ist in den letzten Jahren gesunken und hat im Jahr 2014 den niedrigsten Stand seit (..) 2006 erreicht." Dieser Satz vom BKA klingt wie ein Triumph und ist ein Hilferuf. Die Dunkelziffer ist gigantisch. Die Probleme bei der Identifizierung von Opfern des Menschenhandels und Ermittlungen gegen die Täter seien "bekannt und unverändert", heißt es, man hoffe auf die "Einführung von Erlaubnispflichten und Kontrollmöglichkeiten". Derzeit können die Ermittler ausschließlich bei begründetem Anfangsverdacht tätig werden. "Wir müssen darauf setzen, dass die Frauen sich ein Herz fassen und von sich aus Strafanzeige stellen", sagt ein Fahnder aus NRW.
Sorge vor noch mehr Kontrollverlust
Wer über die Gewerbeaufsicht wenigstens die Zahl der gemeldeten Bordelle in Erfahrung bringen will, scheitert. Die Bezirksregierungen fordern diese Zahlen nicht bei den Kreisen an, die Kreise sammeln sie nicht bei ihren Kommunen. Denen liegen sie vor. Dem Düsseldorfer Ordnungsamt sind 18 entsprechende Betriebe mit 222 Beschäftigten bekannt; nicht erfasst ist dabei die Wohnungsprostitution. Duisburg zählt 10 Bordelle und 19 bordellähnliche Betriebe. Jeder zahlt 6,50 Euro "Sexsteuer" pro Monat und Quadratmeter; 317.000 Euro brachte das im Vorjahr ein. In Düsseldorf wird keine derartige Steuer erhoben.
In Brüggen (Kreis Viersen), direkt an der niederländischen Grenze, steht neben Tennisclub und Baustoffhandel übrigens ein angeblich vier Mal so großer Club wie der ja angeblich europaweit größte in Erkrath, der sich aber sehr bescheiden bloß "größter von NRW" nennt. Aber das Etablissement in Brüggen ist auch ein "FKK-Saunaclub", also quasi eine andere Kategorie. Von den Problemen rund um Prostitution ist irreführende Werbung, entsprungen aus der Frage wer den Größten hat, ohnehin das Kleinste.
Einen anhaltenden Boom des Gewerbes, der sich am Erkrather Sauna-Club ablesen lässt, hält Bürgermeister Schultz "natürlich für nicht erstrebenswert". Er erwägt, die Vergnügungssteuer zu erhöhen, aber komplett unattraktiv machen darf, kann und will er den Bordellbetrieb auch nicht, im Interesse der Stadtkasse und irgendwie auch der Frauen. Sonst verlagere sich die Szene in die Illegalität, vermutet er; auf den Straßenstrich. Dann sei zwar diese "Industrialisierung" passé, die ihm unheimlich ist, aber dann hätten die Behörden auch überhaupt keine Kontrolle mehr, und im Club seien zumindest die Rahmenbedingungen — Hygiene, Ernährung, Sicherheit — augenscheinlich okay.
Steuer-Nachhilfe vom Amt
Helga Tauch kann nicht fassen, dass die Ämter den Bordellbetreibern "noch Nachhilfe bei der Steuererklärung" geben und seit 50 Jahren das "Düsseldorfer Modell" anbieten, das theoretisch bloß eine vereinfachte Form der Steuervorauszahlung ist. Praktisch sehen die Finanzämter selten mehr als jene vorab gezahlten 10 bis 25 Euro pro Tag und Hure. Besser als nichts; die Frauen bleiben selten lange an einem Ort und geben noch seltener eine Steuererklärung ab, egal wie streng die Steuerfahndung mit Sanktionen droht. "Und jeder Euro gezahlte Steuer verringert den Profit", sagt Bürgermeister Schultz und hat damit ja auch nicht Unrecht.
Als Privatmann, sagt Schultz, mache er sich oft Gedanken darum, wie weit es mit der Freiwilligkeit der Huren tatsächlich her sei und wieviel von ihrem Verdienst sie behalten dürften. Als Hauptverantwortlicher für die roten Zahlen im Haushalt weiß er, dass er sich kaum Freunde machen würde etwa mit dem Vorschlag, einen Teil der Vergnügungssteuer-Einnahmen an die chronisch unterfinanzierten Frauenhilfsorganisationen zu spenden.
Zum Tag der Gewalt gegen Frauen aber haben sie ein Zeichen gesetzt und 6000 Brötchentüten verteilt, in Moni's Backstube und den anderen Bäckereien in Erkrath, bedruckt mit dem Slogan "Gewalt kommt nicht in die Tüte!" in acht Sprachen sowie Notruf- und Beratungsnummern.
Wie jedes Jahr.
Zum Artikel
Im Puff nebenan
Erkrath · Prostitution ist hierzulande legal, ein Großbordell aus Erkrath wirbt sogar auf Plakaten. Ein Besuch in der Parallelwelt, die sich mit der bürgerlichen überschneidet – und bei den Ohnmächtigen, die sie kontrollieren sollen.
Prostitution ist hierzulande legal, ein Großbordell aus Erkrath wirbt sogar auf Plakaten. Ein Besuch in der Parallelwelt, die sich mit der bürgerlichen überschneidet — und bei den Ohnmächtigen, die sie kontrollieren sollen.
Erkrath ist ein Städtchen im Grünen hinter Düsseldorf, das versucht, seinen wohl größten Touristenmagneten totzuschweigen. Wer an Erkrath denkt, soll an den Urmenschen denken, dessen Skelett 1856 nebenan im idyllischen Neandertal gefunden wurde, an die erste Bahnstrecke der preußischen Rheinprovinz und das moderne Planetarium. Aber die meisten denken an etwas anderes, nämlich an das Eine.
Das liegt an den Plakaten, die jeder kennt. "100 Girls" warten ihnen zufolge im angeblich größten Sauna-Club Europas. Es gibt viele davon, in der Region, aber auch in Frankfurt oder Bremen. Wie viele es sind, hätte ich gern vom Betreiber erfahren, aber der ist telefonisch nicht erreichbar und lässt alle E-Mails unbeantwortet.
In Impressum und Unternehmensverzeichnissen steht Aldo V., über den im Netz sonst nichts zu finden ist. Wer statt nach V. aber nach seinem Etablissement sucht, den versorgt Google ganz in seinem Sinne: Adresse, Öffnungszeiten, zwei Dutzend Hochglanz-Fotos von den leeren Räumen mit Maniküre/Pediküre-Salon, virtuelle Rundgänge, Nutzer-Bewertungen (derzeit 10, Schnitt: 3,3 von 5 Sternen), Karte samt Routenplaner sowie die beliebtesten Besuchszeiten (spätabends unter der Woche, frühmorgens am Wochenende) — all das erscheint sofort, prominent platziert noch vor den Suchergebnissen.
So läuft das bei Gastronomiebetrieben, und so etwas ähnliches sind Bordelle in Deutschland seit Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes am 1. Januar 2002. Werbung dafür blieb zunächst weiter tabu, aber nicht lange: 2006 erhörte der Bundesgerichtshof das Klagen der Bordellbetreiber und entschärfte den entsprechenden Paragraphen. Wer "Gelegenheit zu sexuellen Handlungen anbietet, ankündigt, anpreist", kann seitdem sagen, er habe den Rechtsstaat auf seiner Seite, solange er dies nicht "in grob anstößiger Weise" tut.
Aus den Augen, aus dem Sinn
Die Plakate mögen kaum zu übersehen sein, den Sauna-Club selbst allerdings hätte ich auf den letzten Metern fast verfehlt. Geparkt habe ich diskret in der Nebenstraße um die Ecke, aber ziemlich genau dort, wo der Navi-Bildschirm die Zielflagge angezeigt hatte, lächelt nun von der Stirnwand einer imposanten Halle meterhoch eine langhaarige Fototapeten-Frau auf mich herab. Dazu der Schriftzug "Willkommen zu Hause". Klingt sehr vollmundig für einen Puff — aber hier werden auch bloß Küchenmöbel verkauft, wie ringsum Elektronikteile und Tiernahrung, Getränke, Laminat, Fleisch und "Feinste Künstlerfarben". Die meisten Männer, gerade jene, die von etwas weiter anreisen, wollen zu dem Haus gegenüber der Küchenmöbelfirma. Im Sauna-Club verkaufen Frauen ihre Körper, wie man so sagt, genau genommen vermieten sie exklusiven Zugang dazu, im Halbstundentakt für je 50 Euro, Sonderwünsche auf Verhandlungsbasis.
Laut Eigenwerbung lassen sich organisierte Reisen in diskreten Kleinbussen buchen, deren Teilnehmer nichts vom schönen Erkrath sehen, weil die Busse ohne Zwischenstopp in dieses Gewerbegebiet fahren. Die Legalisierung der Prostitution hat ihre Profiteure selbstbewusst gemacht und ihren Gegnern Kopfschmerzen. Vor allem, weil die ohne echte Meinung zum Thema jetzt schulterzuckend sagen können "Ist doch legal". Auf den Plakaten wird keine nackte Haut gezeigt und kein Preis genannt. Also dürfen sie bleiben. Ausnahmen gibt es nur, wenn die Werber Anfängerfehler begehen, wenn sie "wild" plakatieren an Leverkusener Bäumen, oder allzu nah an einer Schule wie in Langenfeld. Die Lastwagen, die keine Ware transportieren, sondern bloß überdimensionale Aufsteller mit Puff-Werbung, dürfen das, solange sie nicht länger am selben Ort parken als 14 Tage. Falls sie es doch tun und sich jemand darüber beschwert wie jüngst in Mönchengladbach, kommt jemand und parkt den Wagen um und gut ist. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Die Tür des Saunaclubs ist geschlossen, aber wenn der Empfangsdame auf ihrem Monitor nichts Verdächtiges auffällt, drückt sie auf den Summer. Dann kassiert sie routiniert freundlich 60 Euro Eintritt, fragt nach der Schuhgröße, reicht einen lachsfarbenen Bademantel samt Plastikschlappen über die Fruchtgummi-Schale auf der Theke und schickt den Gast die Treppe hoch in den ersten Stock. "Gähen wir spazirren!", ermuntert mich dort eine dezent geschminkte blonde Frau, aber erst solle ich in den Bademantel schlüpfen. Sie führt mich voll bekleidet durch die 3.000 Quadratmeter große Verkehrs-Fabrik.
2003 war hier die Genehmigung für den Betrieb eines Swingerclubs erbeten worden, 2005 die Erlaubnis zur Erweiterung und Einrichtung eines Sauna-Clubs. 2006 stimmte die Stadt Erkrath einer weiteren Vergrößerung zu, ebenso 2010, 2012 und 2014. Sie hatte keinen Grund und keine Handhabe, es nicht zu tun, nachdem die teils monierten Sicherheitsmängel ausgeräumt waren. Bis 2009 wurden die Anträge von wechselnden Betreibern eingereicht. Seitdem zeichnet dafür der Eigentümer des Grundstücks — und seitdem gebe es auch "keine nennenswerten Probleme" mehr, sagt Bürgermeister Christoph Schultz, 34, Christdemokrat.
Man liest "Frankfurter Allgemeine"
Im Club selbst gibt es sowieso keine Probleme. Alles easy, alles cool auf den langen Fluren mit insgesamt 66 Zimmern. Aus den Boxen fluten Latino-Rhythmen und Lounge-Klänge die Bars, Sessel, Saunen und Feuerstellen. An den Wänden hängen großformatige Spiegel, Skyline-Fotoposter und pseudo-asiatische Wandteppiche. Tanzstangen und Knabbereien, dazu Flachbildschirme, auf denen Fußballspiele laufen oder Pornos. Der fröhlich blubbernde Whirlpool sei derzeit außer Betrieb, verkündet ein Schild.
Im Speiseraum ordert beim Oberkellner ein gepflegter Herr Ende vierzig — Typ Manager und Marathonläufer — ein Steak: "Medium plus, bitte, mit Salat und Pomm‘ Fritt." Dazu hätte er gern noch ein zweites alkoholfreies Bier. Das könne er sich aber auch selbst holen, falls es Umstände mache, sagt er, "gar kein Thema". Er hatte bemerkt, wie viel zu tun ist, seine gute Erziehung macht sich bemerkbar. Als die Berufsehre des Oberkellners siegt, vertieft sich der Freier in die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".
Bürgermeister Schultz liest Akten in seinem Büro im Alten Rathaus; aus dem offenen Fenster ertönen Jubelrufe. Eine Hochzeit; das Standesamt ist im selben Gebäude. Darüber würde er viel lieber reden, wie über eigentlich alles außer den Sauna-Club, aber er beantwortet alle Fragen, so lange sie nicht mit dem Steuergeheimnis kollidieren oder mit dem Persönlichkeitsrecht des Bordellbetreibers. Als Wahlkämpfer hatte er flapsig zu Protokoll gegeben: "Das einzige Gewerbe, das in Erkrath wächst, ist das horizontale". Nun nimmt er das Geld gern, das aus dem Club vor allem via Vergnügungssteuer in die kommunale Kasse fließt: Rund 450.000 Euro Einnahmen standen hier 2014 zu Buche, aus dem Sauna-Club stammt ein geschätztes Drittel davon. Seine Leute schickt er natürlich trotzdem regelmäßig zu unangekündigten Kontrollen.
"Die wissen, wir haben sie im Blick", sagt von der Seite Carsten Döhr, der Leiter des Erkrather Ordnungsamts, und Unrecht hat er damit nicht. Im Blick haben sie Baumängel und Beleuchtung im Sauna-Club sowie die Wasserqualität im Whirlpool, mit vereinten Kräften wachen die Vertreter der unterschiedlichen Behörden über Schanklizenz, Spielautomaten und die Einhaltung der Sperrstunde zwischen 5 und 6 Uhr morgens. Vor einigen Jahren waren im Rathaus Beschwerden von Freiern gelandet, Betreff: Nichteinhaltung des Nichtraucherschutzgesetzes. Denen sind sie auch nachgegangen. "Zuletzt ist es aber sehr, sehr ruhig geworden um den Club", berichtet Döhr und lächelt gequält. "Ist ja auch besser für die Geschäfte."
"Alle denken bloß an 'Pretty Woman'"
Damit die Geschäfte auch weiterhin gut laufen, sind bei meinem Besuch im Club Handwerker im Haus, sie bringen hier und da Kleinigkeiten auf Vordermann. Manche arbeiten mit Silikon, manche nicht. Wie die jungen Frauen, die an Theken und in Türrahmen lehnen. Einhundert sollen es pro Tag sein. Jetzt, an einem Sonntagnachmittag, sind es vielleicht 30. Manche tragen String-Tangas, andere hautenge Minikleider ohne Unterwäsche, manche Strümpfe oder Strapse. Hier wippt eine Afro-Mähne, dort trägt jemand blonden Bob zum Metalldornen-BH. Gemeinsam haben sie nur die absurd hohen, paillettenbesetzten Plateauschuhe.
Eine von ihnen wirft mir einen Luftkuss zu, als ich durch das Halbdunkel stolpere. Das schmatzende Geräusch ist unnatürlich laut. Ich weiß nicht, wer es war, vier oder fünf Frauen räkeln sich im Stehen in meine Richtung. Zwei sind oben ohne, oder waren es drei? Abstumpfung geht ganz flott. Der Versuch, in ihren Gesichtern zu lesen, ist zwecklos. Sie sind im Halbdunkel verborgen, eine dritte Schutzschicht gegen prüfende Blicke, zusätzlich zu Schauspielerei und Schminke.
"Wegwerfmenschen" nennt diese Frauen Helga Tauch (58) von der Frauenrechtsorganisation SolWoDi ("Solidarity with women in distress", d.h. "Solidarität mit Frauen in Not") aus Boppard bei Koblenz. Sie betreut Aussteigerinnen, viele seien traumatisiert, psychisch gestört. "Ein Jahr Prostitution, sieben Jahre Therapie", sagt sie über eine ihrer Schutzbefohlenen. Tauch klagt über zu wenig Forschung und Medienaufmerksamkeit für das Leid der Frauen. Niemand wolle hören, dass von der Arbeit der vielen "selbstständigen" Huren vor allem Menschenhändler und Zuhälter profitierten, die sie durch halb Europa scheuchten. "Die deutsche Volksseele interessiert das nicht", sagt Tauch. Prostitution werde romantisiert: "Bei diesem Thema denken alle bloß an 'Pretty Woman' oder Hans Albers und die Reeperbahn". In der Realität würden viele Frauen gezwungen, selbst während ihrer Periode anschaffen zu gehen — oder während ihrer Schwangerschaft. Mitten in Deutschland, ungestraft.
"Selbstständige Unternehmerinnen" überall
Im Sauna-Club verteilt der nette Oberkellner Küsschen und Cola light mit Strohhalm an die "Mädchen". Eine pickt mit spitzen Fingern in ihrem Salat, andere zerpflücken Gambas, Riesengarnelen, gerade ist All-You-Can-Eat, Flatrate-Fressen deluxe. Auch viele der Gäste sind ganz heiß darauf. Alle Gerichte würden ohne Schweinefleisch zubereitet, steht auf der Speisekarte. Vegetarische Gerichte gibt es auch, eins heißt "Spaghetti Mafia".
Eine blonde, kurvige Osteuropäerin mit sehr Kleinem Schwarzen und sehr roten Lippen lächelt mich an, es wirkt unheimlich sympathisch, aber vielleicht, vermutlich, wahrscheinlich ist auch das einstudiert. Ich fühle mich unwohl in diesem Bademantel, dessen Überstreifen der vorletzte Schritt auf dem Weg zum Freier ist. Der Letzte ist die Übereinkunft über eine Dienstleistung mit einer der "selbstständigen Unternehmerinnen".
Das sind offiziell die meisten Huren in Deutschland, eine jede tätig in ihrem eigenen Namen und auf eigene Rechnung, so steht es auf Websites und Spindtüren der meisten Bordelle und Clubs. Auf "Ausgestaltung und Abwicklung" der Geschäftsbeziehungen zwischen den "männlichen und weiblichen Gästen" habe das Personal keinen Einfluss, heißt es überall.
Die Opfer von Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung stammen dem BKA zufolge oft aus Osteuropa, "überwiegend aus schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen und sind nicht selten Mitglied einer familiären oder regionalen Clanstruktur". Angehörige dieser mafiösen Strukturen versprächen den häufig perspektivlosen Frauen lukrative Jobs in Deutschland, etwa in der Gastronomie. Vor Ort angekommen, werde ihnen dann eröffnet, dass sie sich prostituieren müssten — ab sofort, um überhöhte oder nichtexistente "Schulden für z. B. Pass- und Visabeschaffung, Reise-, Verpflegungs- und Unterbringungskosten" abzuarbeiten. Die Täter — "Netzwerke von Zuhältern, Geldwäschern, Urkundenfälschern und teilweise von Schleusern" — schüfen gezielt Abhängigkeitsverhältnisse zu den Frauen und zementierten sie unter Anwendung emotionaler, psychischer und auch physischer Gewalt.
Verbrüderung durch Verschwiegenheit
Die Freier, die sich das Recht nehmen, von der Möglichkeit solcher Vorgänge im Hintergrund nichts hören zu wollen, sind jünger, schlanker, bürgerlicher, als man erwarten würde. Im Sauna-Club verlassen fünf Polen Mitte vierzig angeregt plaudernd den Restaurantbereich, sie wirken wie Grundschullehrer oder Ingenieure. Drei feixende britische Jungspunde gockeln durch die Gänge, einer krault sich ausgiebig am Gemächt. Ein Araber wackelt mit goldkettchenbehängtem Bierbauch durch die Gänge. Ein hagerer Mann starrt missmutig auf einen Porno, einer mit Normalfigur lümmelt allein auf einem Diwan und wischt stundenlang auf seinem Smartphone herum.
Ihr Hiersein ist das einzige, was sie verbindet. Aber das ist mehr als genug. Ihre Verbrüderung besteht darin, dass sie nichts hören, nichts sehen, nichts sagen — nicht hier und schon gar nicht, falls sie einander in der Außenwelt begegnen würden, in Trainings- oder Maßanzug. Zu großer Form laufen manche online auf, anonym.
In speziellen Foren heißt es dann, gespickt mit Abkürzungen und animierten Smileys etwa über "Michelle (RO)": "Gross, schlank, die kleine OW [Oberweite] passt nicht ganz zum breiten Becken, hübsches Katzengesicht und ne sehr nette... Eigentlich wollte ich gehen, da setzte sich sich zu mir und kuckte mir tief in die Augen..." oder "Zimmer zwei ging an die kleine, schlanke Alexandra aus Brasóv mit der Mordsauslage. Super sportliche und zugleich irgendwie schmusig-persönliche Nummer. Fein !" Die Erfahrungsberichte sind teils seitenlang und mit regelrechtem literarischen Eifer verfasst. Unterbrochen werden die Heldengeschichten durch kühle Protokolle, in denen jeder Sexualakt dokumentiert und bewertet wird, "Porno-" und "Wiederholungsfaktor" inklusive.
Dass sich diese Einträge lesen wie Produktbewertungen, liegt daran, dass es welche sind.
Drei Kontrollen pro Tag — verteilt auf ganz NRW
Nicht so schnell wegzuklicken wie ein Freier-Forum ist die Kritik am System Prostitution. Die erschöpft sich nämlich nicht am Scheitern des Versuchs, unterschiedliche Moralvorstellungen miteinander in Einklang zu bringen. Man muss nicht bezweifeln, dass es Frauen gibt, die zumindest zeitweise aus eigenem Antrieb sexuelle Dienstleistungen anbieten — das dürfte aber meist im oberen Preissegment zutreffen, wo 500 Euro und mehr für eine "Abendbegleitung" fällig werden, oder bei Dominas, die sich von ihren Freiern bedienen, verwöhnen, teils mit Geschenken überschütten lassen.
"Der Anteil der Frauen, die freiwillig und selbstbestimmt der Prostitution nachgehen, ist unseren Erfahrungen nach verschwindend gering", sagt die Huren-Helferin Tauch. Sie hat viel zu tun. Das gut gemeinte Prostitutionsgesetz von 2002, eines der liberalsten weltweit, habe "die Schleusen für Menschenhandel geradezu geöffnet — und den Ermittlern die Hände gebunden".
Im Jahr 2014 führten Ermittler in NRW 1117 Kontrollen durch, drei pro Tag. Verteilt auf sämtliche Bordelle und Bars, Clubs und Wohnwagen sowie Straßenstriche im Land. Wie viele das sind, wissen die Ermittler beim LKA nicht. "Warum auch?", fragt einer. In 75 Fällen ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaften in NRW 2014 wegen "Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung", nur aus Dortmund und Köln wurden mehr als vier Fälle gemeldet. Identifiziert wurden insgesamt 91 Tatverdächtige und 82 Opfer, als rechtswidrige Gewinne konfisziert einmalig 30.200 Euro. Auf Bundesebene sieht es ähnlich aus.
"Die Zahl der in Deutschland festgestellten Fälle von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung ist in den letzten Jahren gesunken und hat im Jahr 2014 den niedrigsten Stand seit (..) 2006 erreicht." Dieser Satz vom BKA klingt wie ein Triumph und ist ein Hilferuf. Die Dunkelziffer ist gigantisch. Die Probleme bei der Identifizierung von Opfern des Menschenhandels und Ermittlungen gegen die Täter seien "bekannt und unverändert", heißt es, man hoffe auf die "Einführung von Erlaubnispflichten und Kontrollmöglichkeiten". Derzeit können die Ermittler ausschließlich bei begründetem Anfangsverdacht tätig werden. "Wir müssen darauf setzen, dass die Frauen sich ein Herz fassen und von sich aus Strafanzeige stellen", sagt ein Fahnder aus NRW.
Sorge vor noch mehr Kontrollverlust
Wer über die Gewerbeaufsicht wenigstens die Zahl der gemeldeten Bordelle in Erfahrung bringen will, scheitert. Die Bezirksregierungen fordern diese Zahlen nicht bei den Kreisen an, die Kreise sammeln sie nicht bei ihren Kommunen. Denen liegen sie vor. Dem Düsseldorfer Ordnungsamt sind 18 entsprechende Betriebe mit 222 Beschäftigten bekannt; nicht erfasst ist dabei die Wohnungsprostitution. Duisburg zählt 10 Bordelle und 19 bordellähnliche Betriebe. Jeder zahlt 6,50 Euro "Sexsteuer" pro Monat und Quadratmeter; 317.000 Euro brachte das im Vorjahr ein. In Düsseldorf wird keine derartige Steuer erhoben.
In Brüggen (Kreis Viersen), direkt an der niederländischen Grenze, steht neben Tennisclub und Baustoffhandel übrigens ein angeblich vier Mal so großer Club wie der ja angeblich europaweit größte in Erkrath, der sich aber sehr bescheiden bloß "größter von NRW" nennt. Aber das Etablissement in Brüggen ist auch ein "FKK-Saunaclub", also quasi eine andere Kategorie. Von den Problemen rund um Prostitution ist irreführende Werbung, entsprungen aus der Frage wer den Größten hat, ohnehin das Kleinste.
Einen anhaltenden Boom des Gewerbes, der sich am Erkrather Sauna-Club ablesen lässt, hält Bürgermeister Schultz "natürlich für nicht erstrebenswert". Er erwägt, die Vergnügungssteuer zu erhöhen, aber komplett unattraktiv machen darf, kann und will er den Bordellbetrieb auch nicht, im Interesse der Stadtkasse und irgendwie auch der Frauen. Sonst verlagere sich die Szene in die Illegalität, vermutet er; auf den Straßenstrich. Dann sei zwar diese "Industrialisierung" passé, die ihm unheimlich ist, aber dann hätten die Behörden auch überhaupt keine Kontrolle mehr, und im Club seien zumindest die Rahmenbedingungen — Hygiene, Ernährung, Sicherheit — augenscheinlich okay.
Steuer-Nachhilfe vom Amt
Helga Tauch kann nicht fassen, dass die Ämter den Bordellbetreibern "noch Nachhilfe bei der Steuererklärung" geben und seit 50 Jahren das "Düsseldorfer Modell" anbieten, das theoretisch bloß eine vereinfachte Form der Steuervorauszahlung ist. Praktisch sehen die Finanzämter selten mehr als jene vorab gezahlten 10 bis 25 Euro pro Tag und Hure. Besser als nichts; die Frauen bleiben selten lange an einem Ort und geben noch seltener eine Steuererklärung ab, egal wie streng die Steuerfahndung mit Sanktionen droht. "Und jeder Euro gezahlte Steuer verringert den Profit", sagt Bürgermeister Schultz und hat damit ja auch nicht Unrecht.
Als Privatmann, sagt Schultz, mache er sich oft Gedanken darum, wie weit es mit der Freiwilligkeit der Huren tatsächlich her sei und wieviel von ihrem Verdienst sie behalten dürften. Als Hauptverantwortlicher für die roten Zahlen im Haushalt weiß er, dass er sich kaum Freunde machen würde etwa mit dem Vorschlag, einen Teil der Vergnügungssteuer-Einnahmen an die chronisch unterfinanzierten Frauenhilfsorganisationen zu spenden.
Zum Tag der Gewalt gegen Frauen aber haben sie ein Zeichen gesetzt und 6000 Brötchentüten verteilt, in Moni's Backstube und den anderen Bäckereien in Erkrath, bedruckt mit dem Slogan "Gewalt kommt nicht in die Tüte!" in acht Sprachen sowie Notruf- und Beratungsnummern.
Wie jedes Jahr.
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KFZ Brand
RP 07.10.2017
Auf dem Parkplatz eines Bordells in Erkrath Unterfeldhaus sind am Freitagabend fünf Autos bei einem Brand zerstört worden Ursache war ein brennender Mercedes. Es entstand laut Polizei ein Schaden von einer Viertelmillion Euro.
Bemerkt hatte den Brand ein 64-Jähriger aus Hilden. Er fuhr am Freitagabend gegen halb neun an dem Parkplatz vorbei, wo Gäste eines "Sauna-Clubs" in der Heinrich-Hertz-Straße ihre Autos abgestellt hatten, und bemerkte Feuerschein. Als die Feuerwehr eintraf, brannte eine Mercedes S-Klasse bereits komplett.
Trotz der Löscharbeiten beschädigte das Feuer vier weitere Autos so stark, dass die Polizei von einer Komplettzerstörung spricht - darunter zwei Mercedes E-Klasse, ein VW Passat und ein VW Golf, alle neueren Baujahrs. Eins der Autos hatte ein niederländisches, ein weiteres ein belgisches Kennzeichen.
Nun ermittelt die Kriminalpolizei, was die Ursache des Feuers gewesen sein könnte. Sie geht von einem Schaden von etwa 250.000 Euro aus.
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Fünf Autos auf Bordell-Parkplatz in Erkrath ausgebrannt
Auf dem Parkplatz eines Bordells in Erkrath Unterfeldhaus sind am Freitagabend fünf Autos bei einem Brand zerstört worden Ursache war ein brennender Mercedes. Es entstand laut Polizei ein Schaden von einer Viertelmillion Euro.
Bemerkt hatte den Brand ein 64-Jähriger aus Hilden. Er fuhr am Freitagabend gegen halb neun an dem Parkplatz vorbei, wo Gäste eines "Sauna-Clubs" in der Heinrich-Hertz-Straße ihre Autos abgestellt hatten, und bemerkte Feuerschein. Als die Feuerwehr eintraf, brannte eine Mercedes S-Klasse bereits komplett.
Trotz der Löscharbeiten beschädigte das Feuer vier weitere Autos so stark, dass die Polizei von einer Komplettzerstörung spricht - darunter zwei Mercedes E-Klasse, ein VW Passat und ein VW Golf, alle neueren Baujahrs. Eins der Autos hatte ein niederländisches, ein weiteres ein belgisches Kennzeichen.
Nun ermittelt die Kriminalpolizei, was die Ursache des Feuers gewesen sein könnte. Sie geht von einem Schaden von etwa 250.000 Euro aus.
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Überfall
RP 17.10.2017
Das Groß-Bordell in Unterfeldhaus wurde in der Nacht zu Montag von drei Unbekannten überfallen Die Polizei konnte das zu Fuß geflüchtete Trio nicht fassen. Nun wird mit einer Personenbeschreibung gefahndet.
Am frühen Montagmorgen gegen 2.55 Uhr stürmten drei bislang unbekannte Männer den Sauna-Club an der Heinrich-Hertz-Straße in Erkrath Unterfeldhaus. Einer der Maskierten hielt eine schwarze Pistole in der Hand und rannte auf den Kassenbereich zu.
Eine Mitarbeiterin, die sich hinter dem Tresen befand, flüchtete in einen angrenzenden Raum und verschloss die Tür. Das Trio nahm eine Geldbörse samt Bargeld vom Thekenbereich und flüchtete zu Fuß. Die drei Täter konnten wie folgt beschrieben werden: Der erste Mann war etwa 35 Jahre alt und augenscheinlich Südländer. Er war bekleidet mit einer grauen Steppjacke und einer grauen Hose. Ferner trug er eine graue Basecap mit einem weißen "New York"-Zeichen. Der zweite Mann war ebenfalls um die 35 Jahre alt und ebenfalls wahrscheinlich Südländer. Er soll schwarze Haare mit lichten Stellen am Hinterkopf gehabt haben. Darüber hinaus trug er einen Drei-Tage-Bart. Bei seinem Pullover lag der Kragen auf den Schulterblättern auf. Der dritte Täter soll zwischen 40 und 50 Jahre alt sein, augenscheinlich Südländer, und ebenfalls eine Kappe getragen haben. Eine Fahndung der Polizei nach dem flüchtigen Trio verlief ohne Erfolg.
Erst vor knapp einer Woche war der Sauna-Club in die Schlagzeilen geraten. Am vorvergangenen Freitag geriet zunächst ein Mercedes der S- Klasse in Brand. Später griff das gegen 20.30 Uhr am Abend ausgebrochene Feuer auch noch auf mehrere andere Autos über, die durch das Feuer komplett zerstört wurden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Brandursache dauern noch an. Da es sich bei den betroffenen Autos um recht neue und hochwertige Fahrzeuge handelte, summierte sich die Schadenshöhe auf geschätzte 250.000 Euro, wie die Polizei mitteilte. Spekulationen, es könnte sich um einen "Zuhälter-Krieg" in Erkrath handeln, wurden offiziell nicht bestätigt.
Das Groß-Bordell war in den vergangenen Jahren immer wieder ins Gerede geraten, weil in ganz Nordrhein-Westfalen sehr auffällig für die Dienstleistungen geworben wird. Sogar in Hamburg tauchten Plakate mit der Aufschrift "100 Girls" auf. Zuletzt waren am Rand von Autobahnen abgestellte Lastwagen gesehen worden, die ebenfalls sehr großflächig für das Bordell geworben haben. Bei der Gelegenheit wurde bekannt, dass die Betreiber schon mehr als 50.000 Euro an Bußgeldern für das unerlaubte Abstellen der Lkw bezahlt hatten. In Erkrath hatten sich vor Jahren einige Anwohner beschwert, die von der damals geplanten Erweiterung des ehemaligen Büro- und Lagergebäudes nicht begeistert waren. Anwohner nannten den Club "Erotik-Fabrik."
Die Stadtverwaltung hatte betont, ein Bordell in einem Gewerbegebiet sei rechtlich zulässig. Es komme nicht auf die Entfernung zu Schulen, Kindergärten oder Privathäusern an. Entscheidend sei, dass das Gebäude im Gewerbe- und nicht im Wohngebiet stehe, so die Stadt Erkrath.
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Raubüberfall auf Sauna-Club in Erkrath
Das Groß-Bordell in Unterfeldhaus wurde in der Nacht zu Montag von drei Unbekannten überfallen Die Polizei konnte das zu Fuß geflüchtete Trio nicht fassen. Nun wird mit einer Personenbeschreibung gefahndet.
Am frühen Montagmorgen gegen 2.55 Uhr stürmten drei bislang unbekannte Männer den Sauna-Club an der Heinrich-Hertz-Straße in Erkrath Unterfeldhaus. Einer der Maskierten hielt eine schwarze Pistole in der Hand und rannte auf den Kassenbereich zu.
Eine Mitarbeiterin, die sich hinter dem Tresen befand, flüchtete in einen angrenzenden Raum und verschloss die Tür. Das Trio nahm eine Geldbörse samt Bargeld vom Thekenbereich und flüchtete zu Fuß. Die drei Täter konnten wie folgt beschrieben werden: Der erste Mann war etwa 35 Jahre alt und augenscheinlich Südländer. Er war bekleidet mit einer grauen Steppjacke und einer grauen Hose. Ferner trug er eine graue Basecap mit einem weißen "New York"-Zeichen. Der zweite Mann war ebenfalls um die 35 Jahre alt und ebenfalls wahrscheinlich Südländer. Er soll schwarze Haare mit lichten Stellen am Hinterkopf gehabt haben. Darüber hinaus trug er einen Drei-Tage-Bart. Bei seinem Pullover lag der Kragen auf den Schulterblättern auf. Der dritte Täter soll zwischen 40 und 50 Jahre alt sein, augenscheinlich Südländer, und ebenfalls eine Kappe getragen haben. Eine Fahndung der Polizei nach dem flüchtigen Trio verlief ohne Erfolg.
Erst vor knapp einer Woche war der Sauna-Club in die Schlagzeilen geraten. Am vorvergangenen Freitag geriet zunächst ein Mercedes der S- Klasse in Brand. Später griff das gegen 20.30 Uhr am Abend ausgebrochene Feuer auch noch auf mehrere andere Autos über, die durch das Feuer komplett zerstört wurden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Brandursache dauern noch an. Da es sich bei den betroffenen Autos um recht neue und hochwertige Fahrzeuge handelte, summierte sich die Schadenshöhe auf geschätzte 250.000 Euro, wie die Polizei mitteilte. Spekulationen, es könnte sich um einen "Zuhälter-Krieg" in Erkrath handeln, wurden offiziell nicht bestätigt.
Das Groß-Bordell war in den vergangenen Jahren immer wieder ins Gerede geraten, weil in ganz Nordrhein-Westfalen sehr auffällig für die Dienstleistungen geworben wird. Sogar in Hamburg tauchten Plakate mit der Aufschrift "100 Girls" auf. Zuletzt waren am Rand von Autobahnen abgestellte Lastwagen gesehen worden, die ebenfalls sehr großflächig für das Bordell geworben haben. Bei der Gelegenheit wurde bekannt, dass die Betreiber schon mehr als 50.000 Euro an Bußgeldern für das unerlaubte Abstellen der Lkw bezahlt hatten. In Erkrath hatten sich vor Jahren einige Anwohner beschwert, die von der damals geplanten Erweiterung des ehemaligen Büro- und Lagergebäudes nicht begeistert waren. Anwohner nannten den Club "Erotik-Fabrik."
Die Stadtverwaltung hatte betont, ein Bordell in einem Gewerbegebiet sei rechtlich zulässig. Es komme nicht auf die Entfernung zu Schulen, Kindergärten oder Privathäusern an. Entscheidend sei, dass das Gebäude im Gewerbe- und nicht im Wohngebiet stehe, so die Stadt Erkrath.
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Brand 🔥
WZ 18.07.2018
Ein Brand im Erkrather Groß-Bordell Sauna-Club Magnum sorgte in der Nacht zum Mittwoch für einen Großeinsatz. Er dauerte bis in den Morgen.
Ein Brand im Erkrather Groß-Bordell Sauna-Club Magnum sorgte in der Nacht zum Mittwoch für einen Großeinsatz. Das berichtet die Erkrather Feuerwehr am Mittwochmorgen. Um 3.49 Uhr ging der Notruf ein: Es brenne in der Wäscherei des Betriebes an der Heinrich-Hertz-Straße in Unterfeldhaus.
Beim Eintreffen seien große Teile des Gebäudes in Rauch gehüllt gewesen. Zwar habe der Hausmeister angegeben, Gäste und Mitarbeiter hätten das Gebäude verlassen. Er habe jedoch nicht ausschließen können, dass sich noch Leute im Haus befänden, heißt es in dem Bericht. Aufgrund der Lage vor Ort wurde Vollalarm ausgelöst — und Hildener sowie Mettmanner Feuerwehrleute kamen zur Unterstützung nach Erkrath.
Der Brand selbst, der in einem Treppenhaus ausgebrochen war, konnte schnell unter Kontrolle gebracht werden, so die Feuerwehr. Da es sich um ein großes Gebäude handelt, mussten jedoch insgesamt 11 Trupps in dem stark verrauchten Haus nach möglichen Personen suchen. Ergebnis: Zum Glück habe sich tatsächlich niemand mehr im Gebäude befunden. Um 7.20 Uhr wurde der Einsatz beendet.
Den Sachschaden bezeichnet die Feuerwehr als erheblich. Die Brandursache war am Mittwoch noch unklar. Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf.
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Feuer in Erkrather Groß-Bordell: Großeinsatz für die Feuerwehr
Ein Brand im Erkrather Groß-Bordell Sauna-Club Magnum sorgte in der Nacht zum Mittwoch für einen Großeinsatz. Er dauerte bis in den Morgen.
Ein Brand im Erkrather Groß-Bordell Sauna-Club Magnum sorgte in der Nacht zum Mittwoch für einen Großeinsatz. Das berichtet die Erkrather Feuerwehr am Mittwochmorgen. Um 3.49 Uhr ging der Notruf ein: Es brenne in der Wäscherei des Betriebes an der Heinrich-Hertz-Straße in Unterfeldhaus.
Beim Eintreffen seien große Teile des Gebäudes in Rauch gehüllt gewesen. Zwar habe der Hausmeister angegeben, Gäste und Mitarbeiter hätten das Gebäude verlassen. Er habe jedoch nicht ausschließen können, dass sich noch Leute im Haus befänden, heißt es in dem Bericht. Aufgrund der Lage vor Ort wurde Vollalarm ausgelöst — und Hildener sowie Mettmanner Feuerwehrleute kamen zur Unterstützung nach Erkrath.
Der Brand selbst, der in einem Treppenhaus ausgebrochen war, konnte schnell unter Kontrolle gebracht werden, so die Feuerwehr. Da es sich um ein großes Gebäude handelt, mussten jedoch insgesamt 11 Trupps in dem stark verrauchten Haus nach möglichen Personen suchen. Ergebnis: Zum Glück habe sich tatsächlich niemand mehr im Gebäude befunden. Um 7.20 Uhr wurde der Einsatz beendet.
Den Sachschaden bezeichnet die Feuerwehr als erheblich. Die Brandursache war am Mittwoch noch unklar. Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf.
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Insolvenz
RP 15.02.2019
Der Betrieb läuft aber weiter. Derzeit wird die Zuverlässigkeit des Betreibers überprüft.
Es ist schon ein paar Wochen her, dass sich ein anonymer Anrufer in der Redaktion meldete mit der Nachricht, der „Saunaclub“ in Erkrath sei insolvent, der Laden laufe aber weiter. Der Anrufer wies die Redaktion zudem darauf hin, dass die im Bordell beschäftigten Frauen und auch die Servicekräfte angeblich in unzumutbaren Zuständen leben würden.
Skandalöse Details, ausgeplaudert von einem anonymen Anrufer? Wir haben bei der Stadtverwaltung nachgehakt. Dort wusste man damals noch nichts von all dem, allerdings sollte das nicht lange so bleiben. Die Stadtverwaltung reagierte prompt und wandte sich mit einer schriftlichen Anfrage an das für Insolvenzverfahren zuständige Amtsgericht in Wuppertal. Die Antwort ließ auf sich warten, mittlerweile jedoch ist klar: Der Bordellbetreiber hat tatsächlich Insolvenz angemeldet. Später wird die Kreisverwaltung mitteilen, dass es seit Januar 2018 keinen Betreiberwechsel gegeben hat.
Das Etablissement an der Heinrich-Hertz-Straße ist alles andere als unbekannt – dort hatte es in der Vergangenheit schon Razzien gegeben und auf dem Parkplatz waren Nobelkarossen abgebrannt. Im vergangenen Jahr war dazu noch ein Gerichtsverfahren beim Düsseldorfer Landgericht anhängig, das mit einem „Rechtsgespräch“ geendet hatte, dessen Details hinter verschlossenen Türen, also unter Ausschluss der Öffentlichkeit, verhandelt wurden. Der Anklagevorwurf lautete damals: Durch das Einsetzen von Stroh-Geschäftsführern soll der Inhaber des besagten Sauna-Clubs sowohl in Erkrath als auch andernorts in so genannten „Satellitenbetrieben“ versucht haben, Verantwortlichkeiten zu vernebeln. Eine gründliche Prüfung hatte zuvor ins sprichwörtliche Schwarze getroffen: Die „Stroh-Geschäftsführer“ hatten zusätzlich zu ihrem offiziellen Gehalt jeweils 3000 Euro monatlich an Schwarzgeld bekommen und der Bordellinhaber soll allein drei Millionen Euro an Umsatzsteuer nicht gezahlt haben.
In Sachen „Prostituiertenschutzgesetz“ ist der Kreis Mettmann zuständig. Auf die durch den anonymen Anrufer erhobenen Vorwürfe angesprochen, dass die Frauen und Servicekräfte in unzumutbaren Zuständen leben würden, stellt Sprecherin Daniela Hitzemann klar, dass sich die von den zuständigen Kreisbehörden wahrgenommene Kontrollfunktion nicht auf die Unterbringung der Frauen und der Servicekräfte erstrecke: „Sofern die Prostituierten nicht in der Betriebsstätte wohnen, unterliegt dies nicht unserer Überwachung.“ Regelmäßige Kontrollmaßnahmen im Etablissement selbst seien hingegen verpflichtend, diese würden anlassbezogen durchgeführt. Die Frauen müssten sich eigenverantwortlich bei der Behörde anmelden – Anhaltspunkte dafür, dass im Saunaclub auch Prostituierte ohne Anmeldebescheinigungen arbeiten würden, gebe es derzeit nicht.
Auch dazu hatte es im vergangenen Jahr einen Prozess am Wuppertaler Landgericht gegeben, bei dem zwei Frauen aus Nigeria als Zeuginnen geladen worden waren. Die Nigerianerinnen hatten 2016 mit gefälschten Papieren mehrere Monate im Bordell gewohnt und gearbeitet. Derartige Zustände dürften nach Inkrafttreten des Prostituiertenschutzgesetzes der Vergangenheit angehören. Neue Verstöße sind nicht bekannt. Kontrolliert wird seither allerdings auch die Eignung der Betreiber, die unter anderem ein Betriebskonzept vorlegen müssten. Im Rahmen eines solchen Antragsverfahrens wird derzeit die Zuverlässigkeit des Saunaclub-Betreibers überprüft. Das laufende Insolvenzverfahren dürfte in die Beurteilung einfließen.
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Großbordell ist pleite
Der Betrieb läuft aber weiter. Derzeit wird die Zuverlässigkeit des Betreibers überprüft.
Es ist schon ein paar Wochen her, dass sich ein anonymer Anrufer in der Redaktion meldete mit der Nachricht, der „Saunaclub“ in Erkrath sei insolvent, der Laden laufe aber weiter. Der Anrufer wies die Redaktion zudem darauf hin, dass die im Bordell beschäftigten Frauen und auch die Servicekräfte angeblich in unzumutbaren Zuständen leben würden.
Skandalöse Details, ausgeplaudert von einem anonymen Anrufer? Wir haben bei der Stadtverwaltung nachgehakt. Dort wusste man damals noch nichts von all dem, allerdings sollte das nicht lange so bleiben. Die Stadtverwaltung reagierte prompt und wandte sich mit einer schriftlichen Anfrage an das für Insolvenzverfahren zuständige Amtsgericht in Wuppertal. Die Antwort ließ auf sich warten, mittlerweile jedoch ist klar: Der Bordellbetreiber hat tatsächlich Insolvenz angemeldet. Später wird die Kreisverwaltung mitteilen, dass es seit Januar 2018 keinen Betreiberwechsel gegeben hat.
Das Etablissement an der Heinrich-Hertz-Straße ist alles andere als unbekannt – dort hatte es in der Vergangenheit schon Razzien gegeben und auf dem Parkplatz waren Nobelkarossen abgebrannt. Im vergangenen Jahr war dazu noch ein Gerichtsverfahren beim Düsseldorfer Landgericht anhängig, das mit einem „Rechtsgespräch“ geendet hatte, dessen Details hinter verschlossenen Türen, also unter Ausschluss der Öffentlichkeit, verhandelt wurden. Der Anklagevorwurf lautete damals: Durch das Einsetzen von Stroh-Geschäftsführern soll der Inhaber des besagten Sauna-Clubs sowohl in Erkrath als auch andernorts in so genannten „Satellitenbetrieben“ versucht haben, Verantwortlichkeiten zu vernebeln. Eine gründliche Prüfung hatte zuvor ins sprichwörtliche Schwarze getroffen: Die „Stroh-Geschäftsführer“ hatten zusätzlich zu ihrem offiziellen Gehalt jeweils 3000 Euro monatlich an Schwarzgeld bekommen und der Bordellinhaber soll allein drei Millionen Euro an Umsatzsteuer nicht gezahlt haben.
In Sachen „Prostituiertenschutzgesetz“ ist der Kreis Mettmann zuständig. Auf die durch den anonymen Anrufer erhobenen Vorwürfe angesprochen, dass die Frauen und Servicekräfte in unzumutbaren Zuständen leben würden, stellt Sprecherin Daniela Hitzemann klar, dass sich die von den zuständigen Kreisbehörden wahrgenommene Kontrollfunktion nicht auf die Unterbringung der Frauen und der Servicekräfte erstrecke: „Sofern die Prostituierten nicht in der Betriebsstätte wohnen, unterliegt dies nicht unserer Überwachung.“ Regelmäßige Kontrollmaßnahmen im Etablissement selbst seien hingegen verpflichtend, diese würden anlassbezogen durchgeführt. Die Frauen müssten sich eigenverantwortlich bei der Behörde anmelden – Anhaltspunkte dafür, dass im Saunaclub auch Prostituierte ohne Anmeldebescheinigungen arbeiten würden, gebe es derzeit nicht.
Auch dazu hatte es im vergangenen Jahr einen Prozess am Wuppertaler Landgericht gegeben, bei dem zwei Frauen aus Nigeria als Zeuginnen geladen worden waren. Die Nigerianerinnen hatten 2016 mit gefälschten Papieren mehrere Monate im Bordell gewohnt und gearbeitet. Derartige Zustände dürften nach Inkrafttreten des Prostituiertenschutzgesetzes der Vergangenheit angehören. Neue Verstöße sind nicht bekannt. Kontrolliert wird seither allerdings auch die Eignung der Betreiber, die unter anderem ein Betriebskonzept vorlegen müssten. Im Rahmen eines solchen Antragsverfahrens wird derzeit die Zuverlässigkeit des Saunaclub-Betreibers überprüft. Das laufende Insolvenzverfahren dürfte in die Beurteilung einfließen.
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Interne Streitigkeiten
RP 29.07.2020
Der Einsatz war auffällig: Die Polizei wurde jetzt zum Bordell „Magnum“ nach Erkrath gerufen und traf vorsichtshalber gleich mit fünf Streifenwagen ein.
Die Polizei hatte am Mittwoch einen Einsatz im Bordell „Magnum“. Wie ein Sprecher der Kreispolizei Mettmann berichtet, waren die Beamten zu einem zivilen Rechtsstreit hinzu gerufen worden. Sie trafen gegen 14.30 Uhr ein und blieben bis 17.45 Uhr. Zeitweise standen bis zu fünf Streifenwagen vor dem Haus. Es ging offenbar um eine Auseinandersetzung „über die Eigentumsverhältnisse des Objektes“, berichtet der Sprecher. Nach einer genaueren Überprüfung verwies die Polizei die Kontrahenten schließlich an die zivile Gerichtsbarkeit. Im März hatte ein Sprecher des Magnum öffentlich erklärt, „länger als drei Monate sollte diese Krise nicht andauern“.
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Streit im „Magnum“ – Polizei klärt
Der Einsatz war auffällig: Die Polizei wurde jetzt zum Bordell „Magnum“ nach Erkrath gerufen und traf vorsichtshalber gleich mit fünf Streifenwagen ein.
Die Polizei hatte am Mittwoch einen Einsatz im Bordell „Magnum“. Wie ein Sprecher der Kreispolizei Mettmann berichtet, waren die Beamten zu einem zivilen Rechtsstreit hinzu gerufen worden. Sie trafen gegen 14.30 Uhr ein und blieben bis 17.45 Uhr. Zeitweise standen bis zu fünf Streifenwagen vor dem Haus. Es ging offenbar um eine Auseinandersetzung „über die Eigentumsverhältnisse des Objektes“, berichtet der Sprecher. Nach einer genaueren Überprüfung verwies die Polizei die Kontrahenten schließlich an die zivile Gerichtsbarkeit. Im März hatte ein Sprecher des Magnum öffentlich erklärt, „länger als drei Monate sollte diese Krise nicht andauern“.
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Razzia 🚨
RP 15.08.2021
Eine aus Südosteuropa stammende Prostituierte wurde mit einem gefälschten EU-Ausweis angetroffen. Es wurden ein Strafverfahren und ausländerrrechtliche Schritte eingeleitet.
In der Nacht von Freitag auf Samstag hat der Kreis Mettmann gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Stadt Erkrath den sogenannten Sauna-Club (Rotlicht-Etablissement) an der Heinrich-Hertz-Straße im Industriegebiet von Erkrath-Unterfeldhaus kontrolliert. Die Kreispolizeibehörde Mettmann leistete im Rahmen des Einsatzes Amtshilfe für das Ordnungs- und Ausländeramt des Kreises. Zudem waren mehrere Kräfte der Steuerfahndung an dem Kontrolleinsatz beteiligt.
Zwischen 22.30 und 1.30 Uhr wurden in dem Sauna-Club laut Polizei 34 Prostituierte polizeilich, ordnungs- und ausländerrechtlich sowie steuerrechtlich überprüft. Eine aus Südosteuropa stammende Prostituierte wies sich dabei mit einem gefälschten EU-Ausweis aus. Ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung wurde eingeleitet und der gefälschte Ausweis sichergestellt. Ebenso sind ausländerrechtliche Schritte eingeleitet worden.
Die Ergebnisse der Steuerfahndung werden derzeit noch ausgewertet. Insgesamt verlief der Kontrolleinsatz ohne Zwischenfälle, heißt es im Polizeibericht. In den Reihen der Gäste hätten sich keine Anhaltspunkte für eine gezielte Personenkontrolle ergeben.
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Polizei und Ordnungsamt kontrollieren Sauna-Club
Eine aus Südosteuropa stammende Prostituierte wurde mit einem gefälschten EU-Ausweis angetroffen. Es wurden ein Strafverfahren und ausländerrrechtliche Schritte eingeleitet.
In der Nacht von Freitag auf Samstag hat der Kreis Mettmann gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Stadt Erkrath den sogenannten Sauna-Club (Rotlicht-Etablissement) an der Heinrich-Hertz-Straße im Industriegebiet von Erkrath-Unterfeldhaus kontrolliert. Die Kreispolizeibehörde Mettmann leistete im Rahmen des Einsatzes Amtshilfe für das Ordnungs- und Ausländeramt des Kreises. Zudem waren mehrere Kräfte der Steuerfahndung an dem Kontrolleinsatz beteiligt.
Zwischen 22.30 und 1.30 Uhr wurden in dem Sauna-Club laut Polizei 34 Prostituierte polizeilich, ordnungs- und ausländerrechtlich sowie steuerrechtlich überprüft. Eine aus Südosteuropa stammende Prostituierte wies sich dabei mit einem gefälschten EU-Ausweis aus. Ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung wurde eingeleitet und der gefälschte Ausweis sichergestellt. Ebenso sind ausländerrechtliche Schritte eingeleitet worden.
Die Ergebnisse der Steuerfahndung werden derzeit noch ausgewertet. Insgesamt verlief der Kontrolleinsatz ohne Zwischenfälle, heißt es im Polizeibericht. In den Reihen der Gäste hätten sich keine Anhaltspunkte für eine gezielte Personenkontrolle ergeben.
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Magnum Archiv 📂
RP 08.01.2024
Im Prozess um den Säureanschlag auf den Innogy-Manager Bernhard Günther gibt es Hinweise darauf, dass sich der angeklagte Marco L. und der bereits verurteilte Nuri T. aus dem Erkrather Saunaclub „Magnum“ gekannt haben.
Im März 2018 wurde in einem Park in Haan ein Säureanschlag auf Bernhard Günther verübt. Zwei Männer hatten den damaligen Innogy- Manager an einem Sonntagmorgen auf dem Heimweg vom Joggen zu Boden gedrückt und ihm Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet. Am Tatort spielten sich dramatische Szenen ab, ein Rettungshubschrauber brachte Günther mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik nach Duisburg.
Einer der Täter, Nuri T., wurde im Sommer 2022 zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Nun sitzt Marco L. am Wuppertaler Landgericht auf der Anklagebank, er soll der Mittäter gewesen sein. Im Prozess gegen ihn wurde nun klar: Beide Männer sind vor der Tat im Saunaclub „Magnum“ in Erkrath und in einer dazugehörigen Dependance in Grefrath ein und aus gegangen. Der nun angeklagte Marco L. soll dort als Bodyguard des „operativen Geschäftsführers“ beschäftigt gewesen sein.
Das war am 4. März 2018 geschehen:
Es war ein kühler Sonntagmorgen, Bernhard Günther war mit Freunden zum Joggen verabredet. Auf dem Heimweg holte der Innogy-Manager noch Brötchen. Dann tauchten die beiden Männer neben ihm auf. Sie drückten ihn zu Boden, einer kippte ihm etwas aus einem zuvor geöffneten Schraubglas ins Gesicht. Es war Schwefelsäure. Bernhard Günther schleppte sich unter brennenden Schmerzen nach Hause. Ohne sich vorher auszuziehen, stellte er sich unter die Dusche. Dann rief er selbst den Notarzt.
Der 37-Jährige ist Ringer, ihm werden Verbindungen zu den Hells Angels in Köln nachgesagt. Kurz vor dem Säureanschlag auf Bernhard Günther soll er seinen Bodyguard-Job im „Magnum“ verloren haben, weil er die Damen im Empfang mit seinen Avancen von der Arbeit abgehalten hat. Die seien immer wieder „für eine halbe Stunde einfach weg gewesen“, so sagte es nun eben jener „Geschäftsführer“ aus, für dessen Sicherheit Marco L. damals sorgen sollte. Warum das in dieser Zeit nötig gewesen sei? Dazu wollte sich der Zeuge nicht äußern. Marco L. sei auch nicht „zum Einsatz“ gekommen, seine permanente Anwesenheit habe genügt.
Auch der bereits 2022 wegen seiner Beteiligung am Säureanschlag verurteilte Nuri T. war Stammgast im Bordell, bis ihm der Magnum- „Geschäftsführer“ wegen einer Schlägerei im Jackie-Chan-Karate-Stil schließlich Hausverbot erteilt haben will. Der Zeuge stellt klar: Nuri T. und Marco L. haben sich gekannt. Das hatte Nuri T. selbst in seinem Prozess bestritten, so wie auch seine Beteiligung an der Tat. Das sich die Männer aus dem Bordell kannten, hat nun auch ein weiterer Zeuge bestätigt, der bis zur Insolvenz in 2019 beinahe zehn Jahre im „Magnum“ gearbeitet hatte und dafür verantwortlich war, dass die Kunden und auch die Frauen mit dem Fahrdienst nach Hause gebracht wurden.
Auch er bestätigt, dass da etwas mit dem nun angeklagten Marco L. und der Empfangsdame gelaufen sei, L. habe sie „einfach weggeflext“. Offiziell als Bodyguard angestellt sei Marco L. nicht gewesen, der Serbe habe keine Arbeitserlaubnis gehabt. Damals sei die Steuerfahndung im „Magnum“ gewesen, und die Bezahlung solcher „Freiberufler“ sei unklar gewesen, da habe sich „keiner die Finger dran verbrennen“ wollen. Gesprochen habe er mit dem nun angeklagten Marco L. damals kaum, der habe oft müde in der Nähe der Kaffeemaschine gesessen. Außerdem, so sagt es der Zeuge, habe es im „Magnum“ klare Hierarchien gegeben, über die er sich nicht hinweggesetzt habe: „Es gibt Strukturen in der Szene: Aufträge, Mittelsmänner, Soldaten.“ Hells Angels sollen im Saunaclub ein und aus gegangen sein, Mitglieder des niederländischen Rocker-Clubs „Satudarah“ sollen in Bussen angereist sein.
Bei dem Wort „Aufträge“ dürften die Prozessbeteiligten hellhörig geworden sein: noch immer hofft Bernhard Günther darauf, den Namen des Auftraggebers für den Säureanschlag zu erfahren, den er in seinem damaligen beruflichen Umfeld vermutet. Ein Knastkumpel des bereits verurteilten Nuri T. behauptete nun im Zeugenstand, den Namen des Auftraggebers zu kennen und noch drei weitere Namen von Hells Angels, die in die Sache involviert seien. Nuri T. habe ihm die Namen bei einem Freigang im Knast auf Zettel geschrieben und ihm dazu noch erzählt, dass er schon mal einen Auftragsmord für die Hells Angels begangen und einen Autohändler „irgendwo in Belgien“ eingemauert haben will.
Auch soll es bereits vor dem Säureanschlag auf Bernhard Günther im März 2018 einen Anschlagsversuch auf den Manager gegeben haben, der aber gescheitert sei. Die Namen nennen wollte der Zeuge bislang nicht, er sei im Knast von dem dort ebenfalls inhaftierten und nun angeklagten Marco L. bedroht worden. Der wolle ihn und seine Frau „fertigmachen“. Er habe Angst um sich selbst und um seine Familie.
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Spur führt in Erkrather Bordell – „Es gibt Strukturen in der Szene“
Im Prozess um den Säureanschlag auf den Innogy-Manager Bernhard Günther gibt es Hinweise darauf, dass sich der angeklagte Marco L. und der bereits verurteilte Nuri T. aus dem Erkrather Saunaclub „Magnum“ gekannt haben.
Im März 2018 wurde in einem Park in Haan ein Säureanschlag auf Bernhard Günther verübt. Zwei Männer hatten den damaligen Innogy- Manager an einem Sonntagmorgen auf dem Heimweg vom Joggen zu Boden gedrückt und ihm Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet. Am Tatort spielten sich dramatische Szenen ab, ein Rettungshubschrauber brachte Günther mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik nach Duisburg.
Einer der Täter, Nuri T., wurde im Sommer 2022 zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Nun sitzt Marco L. am Wuppertaler Landgericht auf der Anklagebank, er soll der Mittäter gewesen sein. Im Prozess gegen ihn wurde nun klar: Beide Männer sind vor der Tat im Saunaclub „Magnum“ in Erkrath und in einer dazugehörigen Dependance in Grefrath ein und aus gegangen. Der nun angeklagte Marco L. soll dort als Bodyguard des „operativen Geschäftsführers“ beschäftigt gewesen sein.
Das war am 4. März 2018 geschehen:
Es war ein kühler Sonntagmorgen, Bernhard Günther war mit Freunden zum Joggen verabredet. Auf dem Heimweg holte der Innogy-Manager noch Brötchen. Dann tauchten die beiden Männer neben ihm auf. Sie drückten ihn zu Boden, einer kippte ihm etwas aus einem zuvor geöffneten Schraubglas ins Gesicht. Es war Schwefelsäure. Bernhard Günther schleppte sich unter brennenden Schmerzen nach Hause. Ohne sich vorher auszuziehen, stellte er sich unter die Dusche. Dann rief er selbst den Notarzt.
Der 37-Jährige ist Ringer, ihm werden Verbindungen zu den Hells Angels in Köln nachgesagt. Kurz vor dem Säureanschlag auf Bernhard Günther soll er seinen Bodyguard-Job im „Magnum“ verloren haben, weil er die Damen im Empfang mit seinen Avancen von der Arbeit abgehalten hat. Die seien immer wieder „für eine halbe Stunde einfach weg gewesen“, so sagte es nun eben jener „Geschäftsführer“ aus, für dessen Sicherheit Marco L. damals sorgen sollte. Warum das in dieser Zeit nötig gewesen sei? Dazu wollte sich der Zeuge nicht äußern. Marco L. sei auch nicht „zum Einsatz“ gekommen, seine permanente Anwesenheit habe genügt.
Auch der bereits 2022 wegen seiner Beteiligung am Säureanschlag verurteilte Nuri T. war Stammgast im Bordell, bis ihm der Magnum- „Geschäftsführer“ wegen einer Schlägerei im Jackie-Chan-Karate-Stil schließlich Hausverbot erteilt haben will. Der Zeuge stellt klar: Nuri T. und Marco L. haben sich gekannt. Das hatte Nuri T. selbst in seinem Prozess bestritten, so wie auch seine Beteiligung an der Tat. Das sich die Männer aus dem Bordell kannten, hat nun auch ein weiterer Zeuge bestätigt, der bis zur Insolvenz in 2019 beinahe zehn Jahre im „Magnum“ gearbeitet hatte und dafür verantwortlich war, dass die Kunden und auch die Frauen mit dem Fahrdienst nach Hause gebracht wurden.
Auch er bestätigt, dass da etwas mit dem nun angeklagten Marco L. und der Empfangsdame gelaufen sei, L. habe sie „einfach weggeflext“. Offiziell als Bodyguard angestellt sei Marco L. nicht gewesen, der Serbe habe keine Arbeitserlaubnis gehabt. Damals sei die Steuerfahndung im „Magnum“ gewesen, und die Bezahlung solcher „Freiberufler“ sei unklar gewesen, da habe sich „keiner die Finger dran verbrennen“ wollen. Gesprochen habe er mit dem nun angeklagten Marco L. damals kaum, der habe oft müde in der Nähe der Kaffeemaschine gesessen. Außerdem, so sagt es der Zeuge, habe es im „Magnum“ klare Hierarchien gegeben, über die er sich nicht hinweggesetzt habe: „Es gibt Strukturen in der Szene: Aufträge, Mittelsmänner, Soldaten.“ Hells Angels sollen im Saunaclub ein und aus gegangen sein, Mitglieder des niederländischen Rocker-Clubs „Satudarah“ sollen in Bussen angereist sein.
Bei dem Wort „Aufträge“ dürften die Prozessbeteiligten hellhörig geworden sein: noch immer hofft Bernhard Günther darauf, den Namen des Auftraggebers für den Säureanschlag zu erfahren, den er in seinem damaligen beruflichen Umfeld vermutet. Ein Knastkumpel des bereits verurteilten Nuri T. behauptete nun im Zeugenstand, den Namen des Auftraggebers zu kennen und noch drei weitere Namen von Hells Angels, die in die Sache involviert seien. Nuri T. habe ihm die Namen bei einem Freigang im Knast auf Zettel geschrieben und ihm dazu noch erzählt, dass er schon mal einen Auftragsmord für die Hells Angels begangen und einen Autohändler „irgendwo in Belgien“ eingemauert haben will.
Auch soll es bereits vor dem Säureanschlag auf Bernhard Günther im März 2018 einen Anschlagsversuch auf den Manager gegeben haben, der aber gescheitert sei. Die Namen nennen wollte der Zeuge bislang nicht, er sei im Knast von dem dort ebenfalls inhaftierten und nun angeklagten Marco L. bedroht worden. Der wolle ihn und seine Frau „fertigmachen“. Er habe Angst um sich selbst und um seine Familie.
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