RP 03.06.2013
Zoff um den "Partytreff" im Landhaus
Im ehemaligen Restaurant "Landhaus am Röschen" hat ein Bordell eröffnet. Der Eigentümer des früheren Bordell-Standorts an der Sonsbecker Straße und sein Projektentwickler Gerhard Schlüpen sind sauer auf die Stadt.
Ein Zusatz unter dem Namensschild "Landhaus Am Röschen" lässt ahnen, dass die Adresse an der Landstraße nach Sonsbeck kein gewöhnliches Restaurant mehr ist. "Partytreff Xanten" steht da in roten Buchstaben. Am Wochenende feierte das Bordell, das früher an der Sonsbecker Straße 29 ansässig war, Eröffnung. "Das Highlight des Jahres", wie Betreiberin Corinna Treib im Internet ankündigte.
Die neue "heiße Location" (so das Internet) sorgt für Gesprächsstoff. Projektentwickler Gerhard Schlüpen, der für den Besitzer des ehemaligen Bordellstandorts an der Sonsbecker Straße arbeitet, heizt die Diskussion an. Schlüpen wirft der Stadtverwaltung Täuschung vor — und er macht Stimmung gegen das Freudenhaus am Röschen.
"Kann es sich eine Bischofsstadt leisten, ein solches Etablissement am Ortseingang zu haben?", fragt Schlüpen. Dabei geht es dem Rheinhauser nicht nur um den guten Ruf der Domstadt, es geht um geschäftliche Interessen. Schlüpen hat das frühere Partytreff-Gebäude an der Sonsbecker Straße im Auftrag des früheren Eigentümers verkauft. Der neuer Besitzer wohnt in Duisburg und besitzt dort Häuser im Rotlichtmilieu. Auch Corinna Treib ist neben Xanten in Duisburg aktiv; sie hat dort einen "Salon". Kaum hatte der Duisburger das Haus an der Sonsbecker Straße in Xanten erworben, setzte er dort die Konkurrentin an die Luft. Treib suchte einen neuen Standort für ihren "Partytreff" — und fand ihn im Landhaus am Röschen, das seit geraumer Zeit leer gestanden hatte.
Dass die Konkurrentin in Xanten bleibt, hatten Schlüpen und sein Klient anscheinend nicht erwartet. "Es gab ein Signal der Stadt Xanten, dass ein einziges Geschäft dieser Art in Xanten ausreicht", sagt Schlüpen. Er und sein Partner hatten dies als positives Zeichen für sie selbst verstanden, denn sie wollten ein neues Bordell an der Sonsbecker Straße 29 aufziehen. "Wir haben es schriftlich, dass die Genehmigung für das Gebäude weiter erteilt wird", behauptet Schlüpen. Dass die Stadt zwischenzeitlich den Betrieb des Partytreffs im "Röschen" genehmigt hat, nimmt er den Verantwortlichen übel. "So etwas tut man nicht." Zwei Freudenhäuser lohnten sich in Xanten nicht, dafür fehle es in der Domstadt an Kundschaft. Schlüpen sieht sich von der Stadt Xanten hintergangen. Es soll deshalb bereits zu unschönen Szenen im Rathaus gekommen sein. Jetzt lasse er beim Hotel- und Gaststättenverband prüfen, so Schlüpen, ob die Genehmigung für den Partytreff im "Röschen" in Ordnung sei.
"An der Sonsbecker Straße ist das Haus durch einen hohen Zaun nach außen abgeschirmt. Am Röschen fällt der Blick der Besucher Xantens ungehindert auf ein Bordell", sagt Schlüpen. Es gebe namhafte Xantener und hohe Vertreter der Verwaltung, die seine Kritik teilten. Bürgermeister Christian Strunk bekräftigt derweil, dass aus Sicht der Stadt nach wie vor gegen den Partytreff im "Röschen" nichts einzuwenden sei, solange der Betrieb unauffällig bleibe und ordnungsgemäß Gewerbesteuern bezahlt werden.
Was aus dem ehemaligen Bordell an der Sonsbecker Straße 29 wird, ist ungewiss. Schlüpen ist bemüht, das Haus im Auftrag des neuen Eigentümers weiter zu verkaufen, was sich schwierig darstellt. So schwierig, dass der Projektentwickler sogar für die Idee warb, Corinna Treib mit ihrem "Partytreff" an die Sonsbecker Straße zurück zu holen. Von unserer Zeitung darauf angesprochen, brach Treib in Gelächter aus. "Wir wären dort sowieso ausgezogen", sagte sie. Das Gebäude sei in einem schlechten Zustand, es müsse saniert und sicherheitstechnisch auf den aktuellen Stand gebracht werden. Bis Ende Juni muss Treib die Räume an der Sonsbecker Straße geräumt haben. Schlüpen hat angekündigt, dass es bei der "offiziellen Übergabe" wohl nicht ohne Anwalt gehen werde.
Info
Eigentümer
Mit "Problemhaus" in den Schlagzeilen
Landhaus am Röschen Das ehemalige Restaurant gehört Familie Brunngraber, die in Veen und Labbeck Senioren-Pflegeheime betreibt. Verschiedene Pächter hatten in den vergangenen Jahren vergeblich versucht, das Lokal dauerhaft zu beleben.
Sonsbecker Straße 29 Dem Eigentümer des ehemaligen Bordell-Standorts gehört in Duisburg unter anderem ein Hochhaus, das seit Monaten in den Schlagzeilen steht, weil es mit Rumänen und Bulgaren, die dort eingezogen sind, Konflikte gibt. Zuletzt gingen dort Fronleichnam zwei Gruppen aufeinander los, auch mit Messern und Stöcken. Ein Mann (37) wurde schwer an den Augen verletzt.
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